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Die Argumentation des Bischofs muss nicht weiter kommentiert werden, da sie selbst innerhalb der heterogenen ‘9/11-Truthseeker’-Szene teilweise offen abgelehnt wird (siehe hierzu u.a. TruthMove Declaration 2008): What did hit the Pentagon, according to Bishop Williamson? "It was a missile that hit the Pentagon. It was a missile that could only have been fired by the American military." (Quelle)
MOSAIK911 will anhand des katholischen Würdenträgers exemplarisch einen anderen Aspekt aufzeigen. Im Januar 2009 wurde nämlich ein weiteres Mal ein verbindendes Zweifel-Muster sogenannter ‘Truthseeker’ demonstriert. In einem schwedischen Interview vom November 2008 äußerte sich Williamson auf Anfrage zu einem brisanten Thema folgendermaßen (Quelle des Transkript): Bischof Williamson: „Ich glaube, daß es keine Gaskammern gegeben hat – soweit ich die historische Faktenlage studiert habe. Ich folge nicht Gefühlen. [...] Sie haben vielleicht vom Leuchter-Report gehört. Fred Leuchter war ein Fachmann für Gaskammern. [...] Und seine Schlußfolgerung als Fachmann war, daß es unmöglich ist, daß diese Anlagen jemals für die Vergasung einer großen Menge von Menschen gedient haben könnten. [...] Ich richte mich nach dem, was nach meinem Urteil die historische Faktenlage ist – Leuten gemäß, die diese Faktenlage untersucht haben. Ich glaube, was sie festgestellt haben.
Wie kam Williamson zu seiner Holocaust-Überzeugung? Der erzkonservative Bischof erklärt es selbst - er glaubt der Leuchter-Darstellung. MOSAIK911 thematisiert auch an dieser Stelle nicht diese Argumentation des Bischofs, da sie selbst innerhalb der ‘Holocaust-Truthseeker’-Szene teilweise offen abgelehnt wird. Ob der katholische Bischof seine Überzeugung wie angekündigt ehrlich revidieren wird, die vor 20 Jahre durch einen vom Holocaustleugner Zündel bezahlten Gefälligkeits-Gutachter gestärkt wurde, bleibt offen (siehe Lipstadt-Offerte).
Die absurd-wirkende Medienhysterie und mediale Hetzjagd lässt Holocaustleugner inzwischen fast als Opfer erscheinen. Hierbei darf jedoch die exponierte Stellung und Wirkung des Bischofs nicht unterschätzt werden, wie die Historikerin Deborah Lipstadt ebenso harsch wie treffend auf den Punkt bringt: Lassen Sie mich eines klarstellen: Bischof Williamson ist ein Idiot. Die Sachen, die er in dem Interview mit den schwedischen Journalisten behauptet, seine Theorien über das Gas und Schornsteine, das ist alles pure Idiotie, lächerlich. Aber wenn man rein gar nichts über den Holocaust weiß, dann erscheint dieser Mann erstaunlich kompetent - vielleicht liegt es an seinem weißen Priester-Collar, an seinem englischen Akzent. Das ist das gefährliche. (Quelle, 27.02.2009)
Die entscheidende Parallele zur ‘9/11’-Meinungsbildung liegt in der ausgeprägten Affinität, weltbildstärkenden Publikationen einseitig Glauben zu schenken. Der ‘offiziellen’ Version wird nichts, den ‘alternativen’ Versionen nahezu alles geglaubt. Die Meinungsbildung endet mit dem Konsum der Anti-These. Diese wird als ‘Wahrheit’ akzeptiert und propagiert, obwohl sie in zahlreichen Details widerlegt wurde und ihrerseits unzählige Widersprüche enthält - ganz zu schweigen von der Vielzahl sich gegenseitig widersprechender ‘Alternativ’-Versionen.
The mistaken belief that a handful of unexplained anomalies can undermine a well-established theory lies at the heart of all conspiratorial thinking (as well as creationism, Holocaust denial and the various crank theories of physics). All the "evidence" for a 9/11 conspiracy falls under the rubric of this fallacy. Such notions are easily refuted by noting that scientific theories are not built on single facts alone but on a convergence of evidence assembled from multiple lines of inquiry. (Scientific American, Juni 2005)
9/11 MYSTERIES dient als nicht-hinterfragte Argumentationsvorlage - der Leuchter-Report dient als nicht-hinterfragte Argumentationsvorlage. Die Adressaten müssen nur die entsprechende Affinität haben - das Schlüssel-Schloss-Prinzip.
Bischoff Richard Williamson ist ein Musterexemplar für die Multi-Empfänglichkeit.
Der Betreiber eines exponierten deutschsprachigen ‘Zweifler’-Blogs, der u.a. 9/11-Telefonate von Opfern verleugnet, als ‘Lochologe’ agiert und unfassbar einfältig ‘zionistische’ Gardinenmuster ‘fehlinterpretiert’, relativiert die Ansichten des katholischen Hardliners im Dezember 2008 in bezeichnender Form: [...] auch seine weltlichen Ansichten sind nicht politisch korrekt, um es gelinde auszudrücken. Er unterstützt alternative Theorien was die Ermordung Präsident Kennedy betrifft und meint, 9/11 wurde nicht durch arabische Terroristen durchgeführt, sondern von der US-Regierung inszeniert. Egal was man über ihn denkt, seinen Mut die Wahrheit auszusprechen muss man anerkennen. (Schall und Rauch, 10 Dezember 2008)
Nur einen Monat nach dieser Lobeshymne schlug der ‘Wahrheits’-Bischof mit der offenen Holocaust-Leugnung erneut zu - eine nachträgliche Distanzierung des Blogbetreibers vom ‘Wahrheits’-Bischof blieb aus.
Die Indoktrination und ihre Folgewirkung lässt sich an diesem Beispiel perfekt dokumentieren, denn weniger manipulierend wäre folgende Formulierung korrekter gewesen: Egal was man über ihn denkt, seinen Mut die Überzeugung auszusprechen muss man anerkennen.
Damit ist ein Kernproblem vieler ‘Truthseeker’ auf den Punkt gebracht - sie verwechseln Wahrheit und Überzeugung.
Zwangsläufig wird dadurch jeder Andersdenke zum Gegner der Wahrheit.
SZ, 02.03.2010 - Bischof Williamson wütet gegen den Islam
Nachtrag, 30.04.2010
Bischof Williamson wurde am 16.04.2010 vom Amtsgericht Regensburg wegen ‘Volksverhetzung’ zu einer Geldstrafe verurteilt.
Der zugrunde liegende Paragraph: §130 StGB (ebenso siehe §6 VStGB) (3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
Die Verharmlosung bzw. Leugnung des Bischofs: I believe there were no gas chambers […] I think that 200,000 to 300,000 Jews perished in Nazi concentration camps […] but none of them by gas chambers (Quelle)
Ein sogenannter ‘Truthseeker’ namens Kevin Barrett liefert daraufhin in einem ‘offenen Brief’ an Bundeskanzlerin Merkel weitere Beispiele vom eigenwilligen Umgang mit der Wahrheit:
Unwahrheit Nr.1: I read in the news that your German government has fined Bishop Richard Williamson 10,000 Euros for "partial Holocaust denial."
Das zuständige Amtsgericht ist Bestandteil der unabhängigen Judikative. “The German government” hat mit dem Urteil überhaupt nichts zu tun - außer in der Unterstellung des angeblichen ‘Truthseekers’.
Unwahrheit Nr. 2 According to the dw-world.de report, you stated that the pope must "'clarify unambiguously that there can be no denying' that the Nazis killed six million Jews."
Falsch. Das Merkel-Zitat endet klar gekennzeichnet nach dem Wort “denying”. Die eigenwillige Zitat-Kennzeichnung im ‘Truthseeker’-Verschnitt lässt die gezielte Manipulation erahnen und sollte bewusst mit dem DW-Original verglichen werden: [...] including German Chancellor Angela Merkel, who demanded that the pope "clarify unambiguously that there can be no denying" that the Nazis killed six million Jews. (DW-Artikel)
Das korrekte, vollständige Merkel-Zitat enthält keinerlei Zahlenangabe, diese wurde nur im DW-Artikel hinzugefügt: The Pope and the Vatican should clarify unambiguously that there can be no denial and that there must be positive relations with the Jewish community overall. (Quelle)
Unwahrheit Nr. 3: Since it is against the law in Germany to state ones belief that fewer than six million Jews died in the Holocaust, [...]
Es gibt kein Gesetz, das eine Zahlenangabe festschreibt. Der angebliche ‘Truthseeker’ täuscht mit diesem Taschenspielertrick Ahnungslosigkeit vor und versucht sich auf ein Niveau zu heben mit der Authorität in der Holocaustforschung: [...] Hilberg and I are apparently partners in crime.
Unwahrheit Nr. 4 Since Bishop Williamson was fined 10,000 euros for underestimating the six-million-Holocaust by 5.75 million people, [...]
Prägnanter lässt sich die Leugnung und ihre Relativierung durch einen angeblichen ‘Truthseeker’ nicht komprimieren. Williamson hat die Existenz und den Einsatz von Gaskammern geleugnet und damit die industriell organisierte Vernichtung von Juden in Frage gestellt, er hat keine “Unterschätzung” von Opferzahlen betrieben (siehe zur Definition des Begriffes ‘Holocaust-Leugner’ auch Irving vs. Lipstadt - Holocaust Denial on Trial)
Daraus resultiert abschliessend die stereotype Märtyrer-Positionierung: I do not understand why the six-million-Holocaust, if it is really a well-verified historical fact, needs to be protected by criminal prosecutions, fines, prison sentences, ad-hominem vilification, the destruction of careers and reputations, and all the other trappings of the Orwellian police state.
Es spielt eine untergeordnete Rolle, ob fünf oder sechs Millionen jüdischer Holocaust-Opfer dem Nazi-Terror zuzuschreiben sind. Die seriöse Geschichtsschreibung hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß aufgrund der Komplexität der über Europa verstreuten Tatabläufe exakte Zahlen nicht zu erwarten sind - die Dimension des Völkermordes jedoch sehr eindeutig dokumentiert ist (siehe hierzu auch eine Analyse von Franciszek Piper, Auschwitz Museum, Dezember 1999). Von entscheidender Bedeutung ist die Organisation eines industrialisierten Massenmordes. Dieses unvergleichliche und tausendfach dokumentierte Verbrechen substanziell in Frage zu stellen oder durch Vergleiche mit anderen Massenmorden zu relativieren, hat wenig mit ‘freier Meinungsäußerung’ zu tun. Die Existenz des Paragraphen §130 StGB dient ‘Revisionisten’ ironischerweise als Feigenblatt ihrer - bestenfalls - auf Ahnungslosigkeit beruhenden Realitätsverweigerung.
Eine Psychoanalytikern bringt das Leugner-Schema auf den Punkt: In effect, the Bishop was saying: 'It wasn't as bad as the Jews have made it out to be.' He pours fuel on the fire by saying he has studied the evidence, emphasising: "I'm not going by emotion." So, in Bishop Williamson's view, the Jews and their sympathisers are not only exaggerating, they are emotional and therefore cannot be trusted. (Quelle)
Der Verfasser von MOSAIK911 hat sich vor ‘9/11’ ausgiebig mit den Argumentationsmustern von sogenannten ‘Revisionisten’ beschäftigt, und die Parallelen in der Methodik beider ‘Truthseeker’-Gruppierungen (die folgerichtig oftmals Überschneidungen zeigen) sind offensichtlich. Ausführlich dokumentiert werden die Tricksereien und Unbelehrbarkeiten in der Holocaust-Referenz. Die absurden Rechenspielchen des ‘Truthseekers’ Kevin Barrett kulminieren in dem Klassiker ahnungsloser bzw. unbelehrbarer Holocaust-Leugner, der an dieser Stelle ausnahmsweise und exemplarisch dokumentiert werden soll.
Das ‘Auschwitz Gambit’ - Schachmatt
Der ‘Truthseeker’ Kevin Barrett und Mitbegründer der Muslim-Jewish-Christian Alliance for 9/11 Truth (MUJCA) benutzt in seinem offenen Brief an Angela Merkel im Jahr 2010 (makabererweise datiert vom 20. April, dem Hitler-Geburtstag) ein Argumentationsmuster, das schon seit einem Jahrzehnt geklärt und dokumentiert ist - das ‘Auschwitz Gambit’. Nur ewiggestrige ‘Revisionisten’ und ihre überforderten Sympathisanten benutzen diesen Taschenspielertrick immer wieder und wieder - ‘überlebende Attentäter’ und ‘fehlende Trümmerteile’ lassen grüßen: He also states that when the official death toll at Auschwitz was revised downward from 4 million to 1.1 million in 1989, the official consensus held that the previously-believed-in 2.9 million Holocaust victims who suddenly turned out never to have existed were all non-Jewish Poles, thus preserving the apparently magical six million Jewish victims figure...while the anti-revisionist Shermer, as I recall, claims that the overall Holocaust total didn't change, despite the sudden evaporation of 2.9 million previously assumed death camp victims, because about that number could be added to the previously-accepted figures for victims killed on the Eastern front, mainly by firing squads. Either way, it seems very strange that the well-known six million figure could survive the sudden disappearance of almost three million previously-assumed deaths. (Quelle)
Die ‘Truthseeker’-Argumentation zusammengefasst: 1989 wurde die geschätzte Anzahl der Auschwitz-Opfer von ca. 4 Millionen auf 1,1 Millionen reduziert. Trotz der Korrektur von fast drei Millionen Opfern blieb der ‘Mythos’ der sechs Millionen jüdischen Opfer bestehen und erfuhr keinerlei Korrektur.
Logisch anmutende ‘Truthseeker’-Arithmetik: Sechs Millionen minus drei Millionen = Keine sechs Millionen.
Die Fehler dieser Pseudorechnung sind jedoch für jeden halbwegs gebildeten und ehrlichen Skeptiker leicht zu erkennen:
Fakt 1: Auschwitz liegt auf polnischem Hoheitsgebiet und damit sowjetischem Einflußbereich. Mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 öffneten sich der Eiserne Vorhang und hatte u.a. auch Auswirkungen auf die staatlich propagierte Geschichtsschreibung der Sowjets.
Fakt 2: Bis zur Entfernung der Gedenktafeln Anfang 1990 hielt die Auschwitz-Gedenkstätte an der Opferzahl von 2,8–4 Millionen fest. Diese Zahl stammt ursprünglich von der 1945 eingesetzten polnischen und sowjetischen Untersuchungskommission. (siehe Wikipedia, Hervorhebung von MOSAIK911)
Fakt 3: Auf den betreffenden Gedenktafeln war bis 1990 von bis zu vier Millionen Opfern, aber nicht von vier Millionen jüdischen Opfern die Rede.
Fakt 4: Westliche Historiker haben die sowjetischen Propaganda-Zahlen bereits seit den 1950er angezweifelt und nicht für die Gesamtschätzungen berücksichtigt:
Die Welt ist gegen derartige "Schätzungen" misstrauisch geworden, und die runde Ziffer von 4 Millionen kann einer ernsten Nachprüfung nicht stand halten. Unglückseligerweise hat die sowjetische Arithmetik die nackte und unleugbare Tatsache verschleiert, dass nicht viel weniger als eine Million Menschen in Auschwitz, seinen Gaskammern und Lagern umkamen. (Reitlinger, Die Endlösung, 1956, zitiert nach h-ref, Hervorhebung von MOSAIK911)
Raul Hilberg hat in seinem Anfang der sechziger Jahre erschienenen Werk ‘Die Vernichtung der europäischen Juden’, S. 1299, eine Zahl von ca. 1 Million Auschwitzopfern angesetzt. Er kommt bei seinen äußerst zurückhaltenden und vorsichtigen Berechnungen auf eine Gesamtzahl von 5,1 Millionen jüdischen Opfern. (Quelle)
Die maßgeblichen Historiker haben demnach schon immer bei der Ermittlung der Opferzahlen die geringere Millionenzahl bzgl. der Auschwitzopfer berücksichtigt. Demnach besteht kein substanzieller Korrekturbedarf der Gesamtopferzahl. Sämtliche Rechenschieberei sogenannter ‘Revisionisten’ dokumentiert deshalb nur eines - die Unfähigkeit, seriös zu argumentieren.
Bekanntlich sind sogenannte ‘Truthseeker’ verliebt in angebliche ‘Ungereimtheiten’.
Ironischerweise kultivieren solche ‘Truthseeker’ mit ihrer Ahnungslosigkeit die Propaganda-Legende einer Diktatur und bestätigen die seriöse Arbeitsweise westlicher Historiker - unbeabsichtigt und daher noch entlarvender.
Für MOSAIK911 ist auch in diesem gravierenden Fall eher sekundär, ob der promovierte Literaturwissenschaftler Kevin Barrett ein unbelehrbarer Lügner oder einfach nur inkompetent ist. Vielmehr sind Methodik und entsprechender Output dieses exponierten Desinformations-Artisten die entscheidenden Aspekte. Die Analogien in den Themenfeldern ‘9/11’ und ‘Holocaust’ sind erschreckend offensichtlich.
Die Selbstdarstellung des ‘Truthseekers’ spricht für sich - ein selbsternannter ‘Wahrheits-Jihadist’ und “Mein Kampf”:
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