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Warum Andreas von Bülow?

Andreas von Bülow kann auf eine langjährige politische Laufbahn verweisen, die Einblicke in geheimdienstliche Arbeitsweisen und fragwürdige Aktivitäten ermöglicht haben mag.
Vor diesem Hintergrund zweifelt der Jurist die Rolle der Geheimdienste im Zusammenhang mit dem 11. September 2001 an und bewegt sich damit zunächst in einem nachvollziehbaren Rahmen. Er gibt Erklärungen, die sowohl bei LIHOP-Protagonisten eine Rolle spielen als auch in den offiziellen Untersuchungsberichten als Ergebnis zu finden sind, z.B.:
Das Grauen des 11. September ist ein GAU der amerikanischen Dienste. Insgesamt gibt es 26 an der Zahl, und sie stehen in Konkurrenz zueinander. Man kann sich schon vorstellen, daß Nicht-Zyniker an diesem Wirrwarr und Chaos verzweifeln. Wer seinem Staat Terroranschläge vermeiden helfen will, findet sich in einem Sumpf sondersgleichen wieder. (Interview mit Jürgen Elsässer, Dezember 2001)

Andreas von Bülow erschüttert die eigene Glaubwürdigkeit jedoch mit der unkritischen Auswahl von Indizien, die über seine diffusen Geheimdienst-Kenntnisse hinausgehen. Er sammelt Merkwürdigkeiten, die sich hauptsächlich im Internet finden lassen und von den Mainstream-Medien entweder unbeachtet bleiben oder bereits zerrissen wurden (z.B. die angeblich “lebenden Hijacker”). Der Jurist agiert mit einer einfachen Methode:
Es ist nicht meine Aufgabe, eine belegbare Hypothese aufzubauen. Ich kann nur Mosaiksteinchen nehmen und sagen, das ist merkwürdig und das ist merkwürdig. (SPIEGEL 37/2003)

Von Bülow sieht nach seinen eigenen Worten seine Aufgabe lediglich darin, diese Merkwürdigkeiten zu sammeln und öffentlich zu machen:
Reporter: Herr von Bülow, was werden Sie nun tun?
von Bülow: Gar nichts. Meine Aufgabe endet damit, zu sagen: So kann es nicht gewesen sein, sucht nach der Wahrheit!
(Quelle)

Der Buchautor sagt es deutlich: Es gibt Dinge, die nicht so gewesen sein können, wie sie dargestellt werden. Die erklärenden Antworten sollen andere suchen.

Die entscheidende Frage in diesem Zusammenhang ist jedoch:
Welche Aspekte wurden von wem in welcher Form dargestellt, daß sie so nicht stimmen können?

Anders formuliert: Der Ex-Forschungsminister sammelt Schrott und evtl. Edelmetall - andere sollen mühsam sortieren.

MOSAIK911 greift sukzessive einige Punkte konkret und detailliert auf, die Andreas von Bülow nahezu achselzuckend und ohne eigene Überprüfung in seinem Buch selektiv zusammengestellt hat. Das Herausfiltern der relevanten Details ist extrem mühsam, weil Andreas von Bülow (wie zahlreiche andere VT-Protagonisten auch) so haarsträubend gearbeitet hat.     
Die ursprüngliche Intention des SPD-Politikers scheint zu sein, den US-amerikanischen ‘Kampf gegen den Terror’ und die Machenschaften der CIA an den Pranger zu stellen. Das katalytische Ereignis hierfür waren zweifellos die Anschläge vom 11. September 2001.
Mit seiner fragwürdigen Indizien-Auswahl und unkritischen Methodik bietet er jedoch eigenhändig die Vorlage, in die Riege der ‘Verschwörungstheoretiker’ einsortiert zu werden:
Maischberger: "Aber jetzt nochmal den Punkt... Warum haben Sie nicht ein Buch geschrieben nur über die Fakten, die Sie tatsächlich nachprüfen können? Dann hätten Sie sich und der Sache einen Gefallen getan. So muß man sagen: das Buch tut der anderen Seite einen Gefallen, weil es so abstrus ist."
von Bülow: "Das scheint nicht so zu sein. Die Leserschaft sieht da ganz anders."
Maischberger: "Aber Sie haben auch eine Verantwortung..."
von Bülow: "Natürlich habe ich eine Verantwortung. Ich habe auch eine Verantwortung, daß uns nicht nochmal sowas wie Pearl Harbor passiert, daß der amerikanische Präsident weiß, daß der Angriff kommt, seiner Truppe überhaupt nichts sagt, 2500 amerikanische Soldaten sterben müssen, damit das amerikanische Volk rübergewuppt wird in die Kriegswilligkeit gegen Japan und Deutschland.” 
(Interview-Auszug aus ‘Menschen bei Maischberger’, ARD 09.09.2003)

Der immunisierende Zirkelschluß (neben der Begründung einer strittigen VT mit der nächsten) ist bemerkenswert: Die Leser des Buches glauben seinen Darstellungen. Also muss der Buchautor auch seine Methoden nicht anzweifeln lassen.

Praktisch, nicht wahr?

Ausserdem ist das Buch in guter Absicht geschrieben. Herr von Bülow sollte gelegentlich über den Unterschied zwischen “gut gemeint” und “gut gemacht” nachdenken.
Stattdessen reagiert Andreas von Bülow auf Vorwürfe mit einer weiteren immunisierenden Definition :
Das sind keine Falschinformationen. Das sind Informationen. (Menschen bei Maischberger, ARD 09.09.2003)

Da bleibt nur noch eines anzumerken: Jeder Buchautor hat die Leser, die er verdient und umgekehrt.
 

Fragensucht und Antworten-Allergie

Ich behaupte jedenfalls nicht, daß ich Antworten hätte auf Fragen, die in den Medien nicht gestellt werden mit der Folge, daß die Verantwortlichen sich zu überzeugenden Antworten nicht veranlasst sehen. (Quelle)

Herr von Bülow kann auf Fragen keine Antworten haben, wenn er danach überhaupt nicht gesucht hat. Trotzdem weiss er aber ganz genau:
So kann es nicht gewesen sein.  

Am Ex-Forschungsminister lässt sich die Methodik der Pseudo-Skeptiker mustergültig erkennen: Behauptungen werden ungeprüft wiedergekäut und führen zur Bestärkung des Weltbildes. Ganz bewusst sei an dieser Stelle stellvertretend ein eklatantes Beispiel genannt, bei dem man nur noch kopfschüttelnd vor dem Buch sitzen kann:
Es fällt auch auf, daß das Bankhaus Morgan Stanley, im World Trade Center über 50 Stockwerke verteilt, nicht einen einzigen Mitarbeiter verloren haben soll. Gleiches soll für das Unternehmen Oppenheim Stocks gelten. (Die CIA und der 11. September, S. 213)

Die Erklärung ist naheliegend und für jeden problemlos und sekundenschnell zu finden. Es handelt sich bewusst um ein extrem simples Beispiel, um einen symptomatischen Eindruck des Buches und seines Verfassers zu vermitteln.

Ein weiteres einfaches Beispiel aus einem Auftritt in der ARD-Sendung “Menschen bei Maischberger” im September 2003:
 


von Bülow bei Maischberger - MyVideo

Der Passagierlisten-Mythos ist in nahezu jedem Machwerk von ‘Verschwörungstheoretikern’ zu finden und demonstriert nachprüfbar, wie einfachste Sachverhalte entweder instrumentalisiert oder intellektuell nicht erfasst werden - einfachste Sachverhalte!

Es ist aus diesen Gründen nicht verwunderlich, daß Andreas von Bülow heftige Attacken erfährt. So schlägt z.B. der Investigativ-Journalist Hans Leyendecker mit harter Polemik zu, denn Leyendecker ist sich der doppelten Negativ-Wirkung der Bülowschen Arbeit bewusst:
Andreas von Bülow, immerhin ein ehemaliger SPD-Staatssekretär, erweist sich mit einem Buch, das wegen seiner schlichten Einfalt viele Kritiker und alte Genossen vor Schreck verstummen lässt, aber ein Verkaufsschlager ist, als Großmeister der paranoiden Form.
Bülows neues Buch über den 11. September wirft wichtige Fragen auf, aber andere als die Verschwörer-Gemeinde meint: Wie nämlich konnte Bülow Staatssekretär werden? Und: Was hat Bülow in seiner Zeit im Amt angerichtet?
(Quelle)

Dieses Dilemma steckt nämlich ebenfalls hinter Publikationen der Bülowschen Qualität:
Solche Leute diskreditieren unsere Arbeit. (Quelle)

Wie Realsatire wirkt vor diesem Hintergrund die Solidaritätsbekundung, auf die der attackierte Buchautor allen Ernstes verweist:
Allerdings war ich positiv überrascht, als sich zwei oder drei Wochen nach der Veröffentlichung meines Buches über die CIA und den 11.9.2001 ein BILD-Redakteur meldete, um mir Komplimente zu dem - wie er sagte - hervorragend recherchierten und geschriebenen Buch zu machen. (Andreas von Bülow, 28.10.2007, Quelle)

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MOSAIK911 bezieht sich auf die folgende Veröffentlichung von Andreas von Bülow:

Die CIA und der 11. September (Piper Verlag, 2003)

 

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