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Ein Präsident bleibt sitzen

Präsident George W. Bush hatte zum Zeitpunkt der WTC-Anschläge einen öffentlichen Auftritt in einer Grundschule in Sarasota, Florida (Reportage).
 

Um 9:05 Uhr erfuhr Bush vom zweiten Flugzeugeinschlag im World Trade Center:
The President was seated in a classroom when, at 9:05, Andrew Card whispered to him: "A second plane hit the second tower. America is under attack." (9/11 Commission Report)

 

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Quelle, AP Photo/Doug Mills

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Quelle, Paul J. Richards/Agence France-Presse

Die Reaktion des Präsidenten gab Anlass zur Kritik. Bush blieb ca. sieben bis zwölf Minuten sitzen und folgte dem Routineprogramm (Angaben schwanken, siehe Timeline).
Es lässt sich darüber streiten, ob Bush unmittelbar nach der Kenntnisnahme vom zweiten Flugzeugeinschlag hätte aufspringen sollen. Diese Reaktion hätte hauptsächlich symbolischen Wert gehabt, da ihm diese Entscheidung durch seinen Mitarbeiterstab abgenommen wurde:
The spokesman said that as the president's staff was trying to learn more about the plane crashes, there was no need to talk to Mr. Bush or pull him away. (Quelle)

Eine zusätzliche Erklärung für die scheinbare Passivität des Präsidenten ergibt sich aus dieser Darstellung:
The president noticed someone moving at the back of the room. It was White House Press Secretary Ari Fleischer, maneuvering to catch his attention without alerting the press. Mr. Fleischer was holding up a legal pad.  Big block letters were scrawled on the cardboard backing: DON'T SAY ANYTHING YET. The remarks drafted earlier would be woefully inadequate.” (Quelle)

Die vorübergehende Passivität des Präsidenten wäre damit erklärbar. Natürlich lässt sich diese Passivität auch kritischer formulieren:
[...] Bildern, die die erstaunliche geistige Lähmung des Präsidenten zeigen, nachdem dieser am 11. September 2001 von einem Mitarbeiter erfahren hat, dass gerade ein zweites Flugzeug im World Trade Center eingeschlagen ist. Bush ist an diesem Tag zu Gast in einem Kindergarten in Florida, wo eine Fernsehkamera gnadenlos die leere Angst im Gesicht des Präsidenten aufzeichnet, der fast sieben Minuten lang linkisch dasitzt und sich an einem Kinderbuch mit dem Titel My Pet Goat (»Meine liebste Ziege«) festhält. Bushs Gesicht ist das eines kleinen, verstörten Jungen, der im Gedränge die Hand der Mutter verloren hat und sich nun auch selbst zu verlieren droht (Quelle)

Bush selbst erklärt sein unspektakulär wirkendes Verhalten natürlich als Ausdruck kontrollierter und professioneller Spannung:
"I was collecting my thoughts," he explained. "I was sitting with a bunch of young kids, and I made the decision there that we would let this part of the program finish, and then I would calmly stand up and thank the teacher and thank the children and go take care of business." (Quelle)

This time Bush visibly flinched and caught his breath, but he said nothing. "I am very aware of the cameras," he recalled later. "I'm trying to absorb that knowledge. I have nobody to talk to. I'm sitting in the midst of a classroom with little kids, listening to a children's story and I realise I'm the Commander in Chief and the country has just come under attack." (Quelle)

Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Tragweite des Geschehens - “America is under attack” - präsentieren die engsten Berater des Präsidenten hingegen absurd wirkende Rechtfertigungsversuche: 
The reason given why Bush didn’t leave as soon as Card told him the news is: “Without all the facts at hand, George Bush had no intention of upsetting the schoolchildren who had come to read for him.” [MSNBC, 10/29/02] Advisor Karl Rove said, “The President thought for a second or two about getting up and walking out of the room. But the drill was coming to a close and he didn’t want to alarm the children.” [ABC, 9/11/02]  (Quelle)

Noch absurder werden die Kinder der Grundschule jedoch von ‘Truthseekern’ als Argumentationsgrundlage benutzt. Stellvertretend hierfür steht der Hollywood-Schauspieler Charlie Sheen, der im Jahr 2006 einiges Aufsehen erregte mit seinem Engagement für das ‘Truth Movement’. Sheen trägt natürlich nichts Neues zum Thema bei, sondern fungiert lediglich als prominenter Wiederkäuer des altbekannten Fragen-Repertoires. Ein (zum Thema dieser Seite passender) Auszug aus Sheen’s Recycling-Fragen: 
Sheen warf auch die Frage auf, warum US-Präsident George W. Bush weiterhin in der Grundschule blieb, die er zu dem Zeitpunkt besuchte. Da bekannt war, daß er sich zu dem Zeitpunkt in jener Schule aufhielt, habe er so nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben der Kinder in der Schule aufs Spiel gesetzt - außer, er wußte, daß für ihn keinerlei Gefahr bestand, so Sheen. (Quelle)

Insbesondere die Schlussfolgerung im letzten Satz ist beachtlich selektiv - es wird folgendes ausgeblendet:
1. Der Präsidenten-Troß befand sich ca. 2000 Kilometer entfernt von New York und zu diesem Zeitpunkt waren lediglich die WTC-Anschläge bekannt.
2. Ein möglicher Bezug von der WTC-Symbolik zum Präsidenten  ergab sich erst im weiteren Verlauf des Morgens - ab ca. 9:30 Uhr über den Umweg Pentagon und Weisses Haus
3. Es handelte sich um Flugzeug-Attacken. Eine unscheinbare Grundschule einer Kleinstadt mit einem Zeitfenster von knapp 30 Minuten (die eingeplante Zeit für den PR-Termin) war als potentielles Angriffsziel eher unwahrscheinlich.
VT-Logiker betonen einerseits stets die Meisterleistung beim Anvisieren der größten Bürogebäude der Welt und suggerieren gleichzeitig, eine Grundschule hätte ein mögliches Flugzeug-Angriffsziel sein können.
4. Wohin hätte der Präsident ‘evakuiert’ werden sollen, wenn völlig unklar ist, woher eine potentielle Gefahr drohen könnte?

Entsprechend naiv wirkt daher auch die folgende Sheen-Bemerkung:
Man sollte vermuten, daß der Secret Service sofort nach der Offenbarung jener Neuigkeiten den Präsidenten greifen würde, als würde er brennen und ihn aus dem Raum bringen würde", sagte der Schauspieler. (Quelle)

Belanglose Spekulationen eines Hollywood-Schauspielers. Die Sicherheitskräfte sind aufgrund der Informationslage professioneller mit der Situation umgegangen, als Laien dies vermuten möchten.
The Secret Service told us they were anxious to move the President to a safer location, but did not think it imperative for him to run out of the door. [...] No one in the traveling party had any information during this time that other aircrafts were hijacked or missing. (9/11 Commission Report, S. 39)

Ein Blick in den ‘9/11-Commission-Report’ verrät, daß die potentielle Gefahr selbstverständlich diskutiert wurde und ironischerweise primär das Zielobjekt ‘Air Force One betraf.
Damit begann die hypothetische Gefahr also erst mit dem Verlassen des Schulgebäudes. Die verwirrende Informationslage hatte eine abenteuerliche Odyssee des angeblich ‘ungefährdeten’ Präsidenten zur Folge. (Details zur Drohung gegen AF1)

Trotzdem übernahm ein deutscher ‘Truthseeker’ die Sheen-Behauptung in eine Liste von angeblichen ‘9/11-Mysterien’.
4: Secret Service in Booker Elementary School did not evacuate Bush immediately - they know he was not in danger (Quelle, Juli 2008)

Diese Liste war die Reaktion auf eine BBC-Dokumentation, die den ‘Truthseekern’ wieder einmal nicht passte. Daher wurde der verantwortliche Journalist massiv attackiert. Die Einleitung dieser ‘Mysterien-Liste’ ist typische ‘Truthseeker’-Masche:
I just put together the main valid points and hints for an inside job in the last two weeks, points that can not be debunked, as they stand straight for the seventh year after the attacks, and were nearly never touched by “debunkers”. (Quelle, Juli 2008, Hervorhebungen von mir; Details zu Listenpunkt
3: Angel is next
siehe hier)

Die nachfolgenden Aufnahmen entstanden zwischen 9:16 und 9:29. Sie zeigen Bush&Co. bei der ersten Bestandsaufnahme des Informations-Chaos und Reaktionen auf die dramatischen Fernsehbilder.
 

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Quelle: Eric Draper/White House

Zwischenfazit:

Die unmittelbare Präsidenten-Reaktion führt zu drei möglichen Standpunkten:

1. Die Reaktion war kontrolliert defensiv. Der Frontman blieb ruhig, während das Team hinter den Kulissen wirbelte. (‘offizielle’ Version)   

2. Die Reaktion war zu passiv. Der Frontman sendete das falsche Signal an die Bevölkerung. (kritische Version)

3. Der Frontman wusste über alles Bescheid und legte eine Show hin.

Die Varianten zeigen den Unterschied zwischen einer ‘kritischen’ und ‘verschwörungstheoretischen’ Perspektive.

In diesem Zusammenhang sollte auch über die Notwendigkeit eines solchen öffentlichen Auftrittes nachgedacht werden. Folgt man der VT-Logik, absolvierte der Frontman einer Jahrhundert-Verschwörung ausgerechnet zum Zeitpunkt des Anschlages einen Routine-PR-Termin vor laufenden Kameras. Benötigte George W. Bush ein Alibi? 
Offenbar wurde ihm eine Oscar-reife Schauspielleistung zugetraut, während Cheney, Rumsfeld und Rice unbeobachtet in ihren Büros sitzen durften.
Die schauspielerische Meisterleistung scheint Bush dann auch abgeliefert zu haben, wenn man der Schulleiterin (seinerzeit bekennende Gore-Anhängerin) glauben darf:
Mrs. Tose-Rigell sensed a transformation. The man she had viewed as a "phony" only minutes earlier was calmly apologizing for having to scrap his planned speech. She was astonished by Mr. Bush's sincerity, especially since he hadn't had time to gather his wits in private.
That's not something that you can fake," the principal said later. "I'm telling you, I was very impressed.
(Quelle)

Als demonstrativ aktiv agierender ‘Commander in Chief’ hat Bush jedoch bereits in der ersten Minute nach dem Anschlag versagt. Nach der VT-Logik hat er sich hierbei vorsätzlich minutenlang medial braten lassen. 

Chance vertan, sitzenbleiben!

Ironie am Rande: Selbst die angebliche ‘CIA-Marionette’ Osama Bin Laden verhöhnt das unglückliche Auftreten des ‘Commander in Chief’:
But because it seemed to him that occupying himself by talking to the little girl about the goat and its butting was more important than occupying himself with the planes and their butting of the skyscrapers, we were given three times the period required to execute the operations - all praise is due to Allah. (Videoansprache an das amerikanische Volk, 29.Oktober 2004)
 

Bush sah alles?

Drei Monate nach dem 11.09.2001 machte George W. Bush auf einer öffentlichen Veranstaltung eine Bemerkung, die erneut für Spekulationen sorgen sollte. Er wiederholte diese Bemerkung einen Monat später ein weiteres Mal. Beide Statements wurden durch Presse-Meldungen des Weissen Hauses öffentlich und sind nach wie vor abrufbar. 

I was in Florida. And my Chief of Staff, Andy Card -- actually, I was in a classroom talking about a reading program that works.I was sitting outside the classroom waiting to go in, and I saw an airplane hit the tower -- the TV was obviously on. And I used to fly myself, and I said, well, there's one terrible pilot. I said, it must have been a horrible accident. (Quelle, 04.12.2001)

Anyway, I was sitting there, and my Chief of Staff -- well, first of all, when we walked into the classroom, I had seen this plane fly into the first building. There was a TV set on. And you know, I thought it was pilot error and I was amazed that anybody could make such a terrible mistake. And something was wrong with the plane, or -- anyway, I'm sitting there, listening to the briefing, and Andy Card came and said, "America is under attack.” (Quelle, 05.01.2002)

Einige Zeit später führte die WASHINGTON TIMES einige Interviews mit George W. Bush und befragte ihn u.a. auch zu diesem Vormittag. Er schildert den Ablauf dabei folgendermaßen:
And Andy Card says, 'By the way, an aircraft flew into the World Trade Center.' And my first reaction was — as an old pilot — how could the guy have gotten so off course to hit the towers? What a terrible accident that is. The first report I heard was a light airplane, twin-engine airplane."
The president entered a holding room at the school and picked up a secure telephone to speak with National Security Advisor Condoleezza Rice at the White House. She was sitting in her office, watching live coverage of the stricken north tower as it belched black smoke into a cloudless sky.
"There's one terrible pilot," Mr. Bush muttered.
Turning to Mr. Card, he speculated that the pilot must have suffered a heart attack. Mr. Bush, who had yet to see the TV images, drafted a statement pledging federal assistance. He rejoined his hostess, Principal Gwendolyn Tose-Rigell. [...]
Returning to the holding room, where he first saw television images from New York, the president talked by phone with the vice president, who was in his White House office.

Nachfolgend zunächst der detaillierte zeitliche Ablauf zwischen 8:30 - 9:43 a.m (orientiert an der ausführlichen Timeline incl. Quellenlinks von Paul Thompson)

Wie hat Bush also den ersten Flugzeugeinschlag im Fernsehen sehen können?
Filmaufnahmen von dem eigentlichen Einschlag waren erst ab dem nächsten Tag verfügbar.

Die simpelste Erklärung wäre diese:
“It's just a mistaken recollection on the president's part”, his spokesman, Mr. Bartlett, said in an interview. "There were lots of things going on fast at the time." (Quelle).

Zweifellos überschlugen sich viele Dinge, insbesondere zwischen 8:55 und 9:03.
Kurzfassung: Bush wurde beim Eintreffen in der Grundschule von mehreren Personen seines Mitarbeiterstabes über den ersten Flugzeugeinschlag informiert.
Anschliessend wurde er von der Schulleiterin begrüßt. Er teilte ihr mit, daß ein Flugzeug  ins WTC gestürzt sei und er kurz telefonieren müsse.
Bush begab sich in den vorgesehenen Aufenthaltsraum und telefonierte mit Condoleezza Rice, Unmittelbar danach begab er sich in den Klassenraum zum vorgesehenen PR-Programm.
Nach diesem PR-Auftritt begab er sich mit seinem Mitarbeiterstab zurück in den Aufenthaltsraum, in dem sich spätestens jetzt ein TV-Gerät befand. Bilder beider Einschläge wurden gezeigt. Natürlich konnte auch in dieser Situation nur der zweite Flugzeug-Einschlag im kompletten Ablauf betrachtet werden.

Aus den teils widersprüchlichen Angaben lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen (Achtung, spekulativ!):

1. Im Aufenthaltsraum befand sich ein TV-Gerät. Während Bush gegen 9:00 Uhr mit Condoleezza Rice telefonierte, konnte er Bilder des ersten eingeschlagenen Flugzeug sehen - keine Bilder vom anfliegenden Flugzeug, sondern lediglich vom Einschlagsbereich!
CNN berichtete unmittelbar nach dem Einschlag von diesem Vorfall und zeigte Live-Bilder des ersten Einschlagsbereiches (Ausschnitte der CNN-Live-Berichte). Die ersten Bilder dieses Einschlagbereiches wurden gegen 8:50 Uhr gesendet (Archiv-Clip).
Wer diese Bilder sieht und daraufhin meint, er habe gesehen, daß “ein Flugzeug den Tower getroffen hat”, drückt sich unpräzise, aber nicht wirklich falsch aus. Die Bemerkung von Bush wäre in diesem Fall lediglich zum Spielball wilder Interpretationen geworden.

Zum Vergleich ein Zitat einer völlig unverdächtigen Person:
Well, while we were waiting in line, the TVs were on in the lobby and we saw the first plane hit the first tower!" (NY-Touristin Patricia Smith aus Albuquerque, Hervorhebung von mir)

Eine harmlose amerikanische Touristin nutzt diesselbe Formulierung bzgl. des ersten Flugzeugeinschlags. Sah sie auch ‘CIA-TV’ oder greift vielleicht doch eine banale grammatikalische Erklärung?

2. Bush hat zwei Situationen - Aufenthaltsraum vor und nach dem PR-Termin - sowie die Flugzeuge durcheinandergebracht. (die ‘offizielle’ Erklärung, siehe oben)

3. Die Darstellung von Bush war eine simple Dramatisierung der Situation. Er wurde jeweils vor einem großen Forum gefragt, was ihn ihm vorging, als er von dem ersten WTC-Einschlag hörte. Um die Situation zu dramatisieren, erwähnte er die angeblichen TV-Bilder ohne exakt zu beschreiben, was diese enthielten.

4. Bush hat exklusive CIA-Bilder des ersten Einschlages gesehen und dies gedankenlos gleich zweimal auf öffentlichen Veranstaltungen preisgegeben.

Eine der Erklärungen muss zwangsläufig im wesentlichen auf den Sachverhalt zutreffen.
Die Erklärung “mistaken recollection” klingt unspektakulär. Bush müsste hierbei als fehlbarer Mensch akzeptiert werden. Die Spekulation bzgl. der unpräzisen Wortwahl ist angesichts des allseits bekannten “rhetorischen Talents” des Texaners naheliegend.

Wie sieht die Glaubwürdigkeit der ‘Gegenversion’ - der ‘VT’-Version - aus?

Zur Erinnerung: Die Bush-Statements sind ausschliesslich durch Pressemeldung des Weissen Hauses an die Öffentlichkeit gelangt und bis zum heutigen Tage zugänglich.

Bush hätte nach der VT-Logik also entweder

A) bereits in seiner Limousine auf der Fahrt zur Booker-Grundschule die Bilder des Anschlages per CIA-Leitung zu sehen bekommen oder

B) über einen Fernseher im Aufenthaltsraum der Booker-Grundschule  die exklusiven CIA-Bilder empfangen können.

In diesem Fall kann man über die Dreistigkeit/Blödheit des amerikanischen Präsidenten mitsamt seines kompletten Beraterteams nur staunen.
Erzählt Bush doch mal eben, er hätte Bilder im TV gesehen, von denen er wissen musste, daß niemand sonst auf der Welt diese gesehen hatte. Schlimmer noch: Die Medien-Profis in seinem Team halten ihn nicht davon ab, diesen Fehler vier Wochen später zu wiederholen. Als Krönung des Versagens gibt die Pressestelle des Weissen Hauses den Geheimnisverrat abschliessend als Pressemeldung raus und lässt bis zum heutigen Tage jeden Interessierten darauf zugreifen.

Wo sitzen eigentlich die größeren Dilettanten?

Eine grundsätzliche Frage zu dieser VT-Version ist jedoch viel wichtiger:

Warum soll der Präsident die Bilder der Einschläge exklusiv zu sehen bekommen? 
Es steckt ein voyeuristischer, Hollywood-kompatibler Gedankengang hinter der Annahme, der Frontman der Verschwörung liesse sich die Bilder des Verbrechens live zeigen. Ein simpler Telefonanruf im Rahmen der notwendigen Kommunikation hätte völlig ausgereicht.

An diesem Punkt zeigt sich, wie Verschwörungstheoretiker die banalsten Gelegenheiten nutzen, um Hollywood-Szenarien zu konstruieren. So tauchte völlig folgerichtig im Jahr 2006 der Hollywood-Star Charlie Sheen auf und belebte die Legende neu:
Die Tatsache, daß Bush behauptete, Bilder vom Einschlag des ersten Flugzeugs im Fernsehen gesehen zu haben, veranlasste Sheen zu der Aussage "Ich vermute, einer der Vorteile daran, Präsident zu sein, ist, daß man Zugriff auf Fernsehkanäle bekommt, die es im bekannten Universum nicht gibt. (Quelle)

Nichts Neues im (wilden) Westen.
 

Nachtrag, 23.05.2009

Neben dem Hollywood-Schauspieler darf der Theologie-Professor David Ray Griffin nicht fehlen, der manchem ‘Truthseeker’ noch immer als “schärfste Waffe” und “begnadeter Denker” erscheint. (Quelle bzw. Quelle).
In einem Interview vom 09. Mai 2009 produziert Griffin zum obigen Sachverhalt zwanzig Sätze lang bemerkenswert heisse Luft:
DRG: Ich vermute, daß die Geschichte wahr ist, daß er den ersten Angriff mittels irgendeiner Privatübertragung live gesehen hat, da Kameras aufgestellt waren, um den ersten Angriff aufzuzeichnen. Es liegt auf der Hand, daß man Kameras aufgestellt hat, um den Angriff aufzuzeichnen. Aber ich kann nicht behaupten, daß ich es wüßte oder auch nicht, daß ich zu 98 Prozent sicher bin, daß es wahr ist, weil es eine Frau gab - eine sehr intelligente Frau, die für die Regierung arbeitete, ganz klar eine sehr vernünftige Person, die sich in Washington auskennt -, die mir schrieb und mir mitteilte, daß sie selbst und einige ihrer Freunde den ersten Angriff live im Fernsehen gesehen hätten. Was soll man davon halten? Ich habe versucht, der Geschichte nachzugehen. Ich habe sie gebeten, mir die Namen einiger ihrer Freunde zu nennen. Ich habe versucht, jemanden zu finden, der sie interviewt, um zu sehen, ob sie dachten, sie wäre schon zu alt und hätte schon ein wenig den Überblick verloren. Am Ende konnte ich der Geschichte nicht auf den Grund gehen, also hat es ein wenig Zweifel in mir hinterlassen. Was würde das also bedeuten? Es würde bedeuten, daß diese Privatübertragung, die eigentlich nur für den Präsidenten, den Geheimdienst und so weiter bestimmt war, irgendwie ins öffentliche Fernsehen geraten ist. Nun, solche Dinge sind schon passiert. Es gab Fälle, wo Pornofilme plötzlich im Fernsehen aufgetaucht sind. Wer weiß, wie so etwas passiert. Es ist möglich, daß so etwas geschehen ist. Aber wenn es das ist, was passiert ist, würde das immer noch die Interpretation stützen, die Sie nahegelegt haben, daß es eine Privatübertragung war. Aber das kommt etwas Rätselhaftes hinzu. Wir können uns vorstellen, daß Bush, der bekanntlich nicht der hellste Kopf ist, es vielleicht einmal gesagt hätte, aber er sagte es zwei- oder dreimal! Seine Leute müssen ihm doch sicher gesagt haben: "George, sag' das nicht noch einmal. Du erinnerst Dich, Du hast das nicht gesehen. Das war doch unser kleines Geheimnis." Ich weiß es also nicht.
 

 

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