mosaik-banner

 

Die Lochologen und das Fünf-Meter Loch

Der Schaden am Pentagongebäude ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen und nachweislicher Manipulationen - ein Klassiker des ‘Truth Movements’:
Der einzige Schaden an der Außenwand ist ein einzelnes Loch, nicht größer als fünf Meter im Durchmesser. (LOOSE CHANGE 2, 21:40)

Jimmy Walter hat Millionen Dollar in die reopen911-Kampagne investiert. In einem Artikel mit der aberwitzigen Überschrift ‘Debunking [Propaganda] Mechanics’ zeigt Walter hilflose Reaktionen auf vorliegende Widerlegungen:
Outright Fraud! The photos plainly show a hole much smaller - perhaps 20 feet (Quelle)

Ein exponierter Blogger propagiert noch im Jahr 2008 diese Version als ‘Faktum’, verpackt in eine Strohmann-Auflistung - das Konzentrat jahrelanger Desinformationen:
Es ist Zufall, dass Flug 77 in den Pentagon in einem einzigen 5 Meter kleinen Loch in der Fassade verschwunden ist. (Schall&Rauch-Blog, 26.08.2008)
 

Ein Fünf-Meter-Hoax wird gebastelt

Das Fünf-Meter-Loch wurde vom ‘No Boeing’-Hoaxer Thierry Meyssan im Frühjahr 2002 für das Buch THE BIG LIE konstruiert, nachdem bereits seit Oktober 2001 auf einer Meyssan-Website die angeblichen Mysterien des Pentagon-Anschlages propagiert wurden (Quelle1,2).
Die Fünf-Meter-Legende wird bemerkenswert selektiv belegt:
 

tm-pent-anhang2

aus: Thierry Meyssan; Pentagate Fragenkatalog (editio de facto, 2003)

tm-pent-anhang1

aus: Thierry Meyssan; Pentagate Fragenkatalog (editio de facto, 2003)

Meyssan fokussiert völlig auf das zentrale Einschlagsloch und verwendet gezielt die Bilder, auf denen möglichst wenig zu sehen ist durch die Schaumfontänen (die es nach seiner Wahrnehmung so nicht gegeben hat, siehe Schaumschlägereien)

Dadurch wurde folgende Behauptung möglich: Es gibt ein ca. fünf Meter breites Loch zwischen Erdgeschoss und erstem Stock. Die Höhe des Loches wird nicht explizit erwähnt. Meyssans Schlussfolgerung:
Bis heute bleibt die einzige technisch plausible Erklärung des Anschlags also die von Thierry Meyssan formulierte: der Abschuss eines Missiles und nicht der Aufprall einer Boeing 757-200 (Pentagate, 2003, S.77)

Bereits an dieser Stelle kann man sich fragen, wie eine Cruise Missile mit 60cm Durchmesser ein Loch mit einem Durchmesser von fünf Metern verursachen kann.
Wegen dieses Widerspruches hat der Hoaxer Meyssan ein ‘Zufahrtstor’ erfunden, über das die Rakete eingeschlagen sein soll (Details). Gerhard Wisnewski ist für geniale Bilder-Interpretationen bekannt und machte aus dem fantasierten ‘Zufahrtstor’ prompt ein Sachargument. (Details)

Die gezielte Auswahl von Bildern ist bezeichnend für die Seriösität der Buchautoren, die die Raketen-These propagieren und die Boeing-Version in Zweifel ziehen wollen.
Folgende Bilder sind etwas aussagekräftiger und ebenfalls vor dem Gebäudeeinsturz entstanden:
 

07mw805
hole07-donley02

Quelle: Daryl Donley

boeing-rechts-sim02
pentagon hole wide
pentagon impact nah von links05

Das Schadensprofil lässt sich aus diesen Bildern ziemlich eindeutig herleiten und wird u.a. im Pentagon Building Performance Report beschrieben:
The width of the severe damage to the west facade of the Pentagon was approximately 120 ft (from column lines 8 to 20). The projected width, perpendicular to the path of the aircraft, was approximately 90 ft, which is substantially less than the 125 ft. An examination of the area encompassed by extending the line of travel of the aircraft to the face of the building shows that there are no discrete marks on the building corresponding to the positions of the outer third of the right wing. The size and position of the actual opening in the facade of the building (from column line 8 to column line 18) indicate that no portion of the outer two-thirds of the right wing and no portion of the outer one-third of the left wing actually entered the building.
It is possible that less of the right wing than the left wing entered the building because the right wing struck the facade crossing the level of the second-floor slab.The strength of the second- floor slab in its own plane would have severed the right wing approximately at the location of the right engine. The left wing did not encounter a slab, so it penetrated more easily. In any event, the evidence suggests that the tips of both wings did not make direct contact with the facade of the building and that portions of the wings might have been separated from the fuselage before the aircraft struck the building. This is consistent with eyewitness statements that the right wing struck a large generator before the aircraft struck the building and that the left engine struck a ground-level, external vent structure. It is possible that these impacts, which occurred not more than 100 ft before the nose of the aircraft struck the building, may have damaged the wings and caused debris to strike the Pentagon facade and the heliport control building. (PBPR, S. 35f, Hervorhebungen von mir)

Die Umrisse des schwer beschädigten Einschlagsbereiches sind erstaunlich identisch mit einem Flugobjekt der Boeing-Kategorie:
 

hole1102

Bilder, die nach dem Gebäudekollaps aufgenommen wurden, bestätigen nochmals die massiven Schäden in beiden seitlichen Ausläufern des zentralen Impact-Bereiches. Im linken Bereich sind drei weitere Stahlbetonpfeiler weggerissen bzw. stark beschädigt:
 

pent-impactschaden1
pent-impactschaden links beschriftet

Quelle: Pentagon Renovation Program

impact-links-danach

Darüberhinaus wurde die Kalkstein-Fassade in einer Ausdehnung von mindestens zehn Metern Breite beschädigt - ausschliesslich im Erdgeschoß:
 

pent-impactschaden2
536171.347707

Auch rechts vom zentralen Impactbereich finden sich deutliche Schäden der Fassade:
 

pent-impactschaden-re103
impact-right-1

Auf dem letzten Bild lässt sich an dem Stahlbetonpfeiler ganz rechts die begrenzt abgeplatzte Kalksteinfassade erkennen. Hierbei handelt es sich möglicherweise um die Einwirkung der äußeren rechten Flügelspitze.

Zu den angeblich nicht passenden Boeing-Abmessungen sollte darüber hinaus folgendes berücksichtigt werden:
The wing fuel tanks are located primarily within the inner half of the wings. The center of gravity of these tanks is approximately one-third of the wing length from the fuselage. (PBPR, S. 36)

Die masse-intensivsten Impact-Faktoren befinden sich demnach vom Rumpf ausgehend bis etwa zu den Triebwerken. Über diesen Bereich hinaus besteht das Flugzeug aus relativ filigranen Aluminiumstrukturen (gilt auch für das Heckleitwerk).
Daraus lässt sich das abweichende Schadensbild in den Ausläufern herleiten, wie auch Professor Mete Sozen erklärt:
 


Sozen-Simulation - MyVideo

Ausschnitt aus “Täuschung oder Wahrheit, WDR 2003

Auch wenn man diese Rekonstruktion nicht akzeptieren will - im Vergleich zur Raketenversion von Thierry Meyssan & Co. ist sie deutlich plausibler und stringenter. Nicht ohne Grund beinhalten die Attacken der widerlegten ‘NoBoeing’-Theoretiker absurd anmutende Diskreditierungsversuche (siehe hier, hier, hier)      
 

Ein Loch - viele Köche

Die Raketen-Version wird selbst in der ‘Truthseeker’-Szene heftig kritisiert. 
Während die ‘Scholars for 9/11 Truth &Justice’ die gängige Beweislage für die Boeing-Version unkommentiert präsentieren, äußern sich Protagonisten wie Jim Hoffman, Michael Ruppert, Oilempire, Andreas Hauß oder Joël van der Reijden deutlich zum ‘Missile Hoax’ und seine verheerende Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des ‘Truth Movements’.

Mit der Truth Move Declaration 2008 haben sich weitere exponierte ‘Truthseeker’ deutlich von den ‘No Boeing’-Theoristen  distanziert:
[...] a list of theories and claims which do not have a convincing basis in verifiable facts. Such claims have served as a distraction for many honest activists and have ultimately damaged the credibility of the movement.
[...]
A missile or something other than a 757 hit the Pentagon.

Das Dilemma des heterogenen ‘Truth Movements’ verdeutlicht ein kleines Beispiel. Der australische ‘9/11 Truther’ und  Hardcore-NoPlaner Gerard Holmgren veröffentlichte im November 2006 folgendes:
The hole in the Pentagon wall after the initial impact was about 16 ft wide. A Boeing 757 (the kind of plane claimed by the official story) has a wingspan of about 125 ft. Obviously a 125 ft wingspan can't fit through a 16 ft hole.
(Quelle)

Mit der widerlegten Legende vom ‘Fünf-Meter-Loch’ will Holmgren primär belegen, daß die Version des Karl Schwarz Unsinn sei, der eine A3 Skywarrior als Flugobjekt propagiert.
Holmgren beschreibt in diesem Zusammenhang lediglich einen Aspekt zutreffend, nämlich die fehlende Logik der Skywarrior-Fraktion:
An A3 SkyWarrior has a wingspan of about 72 ft. Many truthlings who scoff at the idea of a 757 on the basis of the wingspan problem uncritically endorse the A3 SkyWarrior claim without even examining this problem. If it's ridiculous to assert that a 125 ft wingspan can fit through a 16 ft hole, why is it any more credible to assert that a 72 ft wingspan can do so ?
(Quelle)

Ein exponierter ‘9/11-Truther’ will demnach einen anderen exponierten ‘9/11-Truther’ widerlegen mittels einer Falschdarstellung - dem ‘16ft-Loch’ als einzigen Fassadenschaden.

Diese Absurdität ist Alltag in der zerissenen ‘Truth Movement’-Szene.
Es bleibt lediglich die Frage offen, ob Dilettantismus als Erklärung dafür ausreicht, daß viele angebliche ‘Truther’ andere angebliche ‘Truther’ unter Verwendung von Desinformationen als Desinformanten bezeichnen.
 

ZERO - Die x-te Nullnummer

Mit dem üblichem Tamtam wurde im Jahr 2008 ein weiterer ‘Truther’-Film veröffentlicht: ZERO - An Investigation into 9/11
Der Neu-Aufguß dutzender Vorgängerfilme präsentiert zu dem Impactschaden ausgerechnet Russ Wittenberg, der mit dem Holocaust-Leugner Eric Hufschmid bereits für eines der ersten ‘NoPlane’-Machwerke verantwortlich war:
[...].all the information that we have collected in writing a book called PAINFUL QUESTIONS. I was the aviation technical consultant on a book called PAINFUL QUESTIONS. (Wittenberg-Interview mp3).

Wittenberg: An airplane, 100 and some feet wide - a hole 16 feet (ZERO, 10. Minute)

Nach dem unbelehrbaren Wittenberg bringt ZERO eine Absurdität, die in Produkten des ‘Truth Movements’ oftmals zu beobachten ist: Ein Literatur-Nobelpreisgewinner names Dario Fo hat seinen Auftritt:
Fo:
An American 757 disappeared in this hole, can you see it? Five meters, I repeat five meters in diameter. (Video)

Die Wiederholung macht es nicht erträglicher. Vielleicht macht der Italiener gute Satire, gute Theaterstücke oder gute Bücher - in diesem Film blamiert er sich nur als nützlicher Idiot dank der manipulativen Vorarbeit von Hoaxern wie Meyssan, Hufschmid oder von Kleist.

Auf wen oder was verweist ZERO unmittelbar nach dem Fo-Auftritt?
Richtig, auf Bücher von Thierry Meyssan - eine absurde Nullnummer.
 

Die saubere ‘Abrißkante’

Die linke Seite des kollabierten Gebäudeteils erscheint ‘glatt durchgeschnitten’. Natürlich wurden auch hierzu Spekulation über den Einsatz von Sprengladungen konstruiert (Beispiel).
 

pent-impactschaden2

Eine wesentlich einfachere Erklärung hat bau-technische Hintergründe und wird z.B. in der N24-Doku ‘Todesflug aufs Pentagon’ im Bilde gezeigt (40. Minute):
Es handelt sich um eine von vielen Dehnungsfugen, die in regelmäßigen Abständen im Pentagon-Gebäude zu finden sind:
ALAN KILSHEIMER (Bauingenieur): If you looked at the photographs early on, you saw a vertical clean line. That was the expansion joint. So, everything to the left didn't collapse and everything to the right collapsed within an hour or two. (Quelle) (Kilsheimer bezieht sich offensichtlich nicht nur auf den Haupt-Zusammenbruch, der bereits nach 20 Minuten eintrat)

Die Position der Dehnungsfugen ist in der Luftaufnahme zu sehen:
 

Pentagon-dehnungsfugen2
blackbalken1