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Echte Freunde der Wahrheit

Im März 2006 machte sich zwei “Wahrheits-Kreuzritter” auf die Suche nach Verbündeten:
Truth crusaders Walter and Rodriguez to appear on Hugo Chavez's weekly TV broadcast
[...]
Venezuelan Government To Launch International 9/11 Investigation
Billionaire philanthropist Jimmy Walter and WTC survivor William Rodriguez this week embarked on a groundbreaking trip to Caracas Venezuela in which they met with with the President of the Assembly and will soon meet with Venezuelan President himself Hugo Chavez in anticipation of an official Venezuelan government investigation into 9/11.
(PRISONPLANET, 31.03.2006)

Venezuela wurde keineswegs zufällig für dieses Anliegen ausgesucht. Folgende Artikel geben einen Eindruck, welches Verhältnis zwischen beiden Regierungen seit Jahren besteht:
Die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela sind seit Amtsantritt des linksgerichteten Präsidenten Hugo Chavez 1999 angespannt. Chavez wirft Washington vor, Mordpläne gegen ihn zu hegen und die Opposition, die regelmäßig auch gewalttätig gegen die Regierung protestiert, zu unterstützen.
Die US-Regierung wiederum glaubt, dass Venezuela mit seinen guten Beziehungen zu Kuba die Region destabilisieren würde. Doch wirklich aktiv können die USA auch nach den letzten Spannungen nicht werden: Sie beziehen rund 15 Prozent ihres Öls aus dem lateinamerikanischen Land.
(Quelle)

Die Sympathien der Bush-Regierung liegen sicherlich mehr bei der Opposition, die eher dazu bereit wäre zu kollaborieren als dieser Chavez, der sich als Antiimperialist zu profilieren sucht. Daß ein Staatsstreich bis jetzt nicht erfolgte, liegt wahrscheinlich an der »militärischen« Schwäche der Opposition und daran, daß die USA sicherlich eine Regierung Chavez gegenüber einer Situation bevorzugen, die von Klassenhaß und Chaos und unberechenbarer Gewalt geprägt ist. Daher ist es durchaus möglich, daß ohne die reale Alternative der erfolgreichen Beseitigung Chavez' die USA auf einen Dialog und schließlich ein Abkommen zwischen Chavez und der Opposition drängen. (Quelle)

Hugo Chavez scheint viel Freude daran zu haben, Bush zu ärgern. Er nennt Bush immer wieder einen „Terroristen“ und die USA einen Terroristischen Staat. Erst letzte Woche feuerte Chavez wieder eine Breitseite in Richtung Bush:„ Die größte Gefahr für diesen Planeten ist die US Regierung… Die Menschen in den USA werden von einem Killer, einem Völkermörder und Verrückten regiert.“
Er hat das Recht dazu.
Für liberale und linke waren Chavez’s Salven eine willkommene Ruhepause von den Kommentaren der kriecherischen Demokratischen Kongressabgeordneten und dem schnurren der Medien. Bis jetzt ist der Venezuelanische Präsident der einzige auf der Weltbühne, der sich traut das offensichtliche auszusprechen, nämlich dass Bush und seine verrückte Truppe von Lügnern, Lobbyisten und Kriegsverbrechern den Planeten verwüsten und dabei Millionen von Menschenleben zerstören.
(Quelle)

Nach seinen Siegen an den Wahlurnen und der vorläufigen Beendigung der innenpolitischen Unsicherheit hat Präsident Chávez eine neue Etappe seiner vage definierten "bolivarischen Revolution" ausgerufen. Sie geht zumindest einher mit einer bereits weitgehend durchgesetzten Aushöhlung der Gewaltenteilung und einer starken Konzentration der Macht in den Händen des Präsidenten. Als Ziel hat Chávez die Schaffung eines "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" ausgegeben, dessen Bestandteile aber im einzelnen noch zu entwickeln seien. (Quelle)

05. Dezember 2005
Umstrittener Wahlsieg für Chavez
Die Regierungskoalition von Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat bei den Parlamentswahlen nach eigenen Angaben gewonnen. Die Bewegung für die Fünfte Republik (MVR) habe 114 der 167 Sitze gesiegt, sagte ein Führungsmitglied der Partei, Willian Lara, am Sonntag. Die restliche Sitze gingen an Abgeordnete anderer Parteien, unterstützten jedoch den Präsidenten, erklärte er weiter.
Fünf Oppositionsparteien hatten am Mittwoch ihre Kandidaten zurückgezogen, so dass bis auf kleinere Gruppen nur noch Verbündete von Chavez zur Wahl antraten. Zudem haben sich rund drei Viertel der Stimmberechtigten enthalten. [...]
Die Oppositionsparteien hatten den Boykott der Wahl damit begründet, dass die Nationale Wahlkommission Chavez unterstütze. Sie warfen der Regierung zudem eine Manipulation von Wählerlisten vor und äußerten Zweifel daran, ob bei der Abstimmung an Wahlautomaten das Wahlgeheimnis gewahrt sei. Kritiker des Boykotts werfen der Opposition dagegen vor, sie wolle sich angesichts verheerender Umfrageergebnisse vor der Wahl drücken.
(Quelle)

20. April 2006
Chavez droht mit Sprengung von Ölfeldern
Hugo Chavez gilt als Mann großer Worte - nicht zu Unrecht, wie der Staatschef Venezuelas bei einem Treffen mit lateinamerikanischen Amtskollegen am Mittwoch erneut unter Beweis stellte: Er nutzte die aktuellen Höchststände an den internationalen Ölmärkten, um den Konflikt mit den USA zu schüren. "Sie werden dieses Öl nicht bekommen", sagte Chavez mit Blick auf die Reserven seines Landes, des fünftgrößten Produzenten weltweit und eines der wichtigsten Lieferländer der USA. Sollte ein Angriff der Vereinigten Staaten erfolgen, habe Venezuela "keine andere Alternative" als zu handeln wie der Irak: "unsre eigenen Ölfelder sprengen".
Zwischen Caracas und Washington tobt seit langem ein Kleinkrieg - der bislang indes auf der verbalen Ebene blieb. Das könnte sich rasch ändern, glaubt man Chavez: Er forderte seinen kolumbianischen Amtskollegen Alvaro Uribe - ein enger Verbündeter der USA - lautstark auf, einem Magazinbericht nachzugehen, demzufolge die Geheimpolizei des Nachbarstaats die Ermordung des venezolanischen Staatschefs plane. Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass Chavez sein Leben durch geheime Aktionen der USA bedroht sieht, sagte Bogota rasch eine "ernsthafte Untersuchung" der Medienberichte zu.[...]
Die USA haben die ihnen vom Castro-Freund Chavez vorgeworfenen Pläne - angesichts eines bevorstehenden Flottenmanövers in der Karibik unterstellte er Washington zuletzt erneut Invasionsabsichten - stets zurückgewiesen. Nicht von der Hand zu weisen ist andererseits, dass der Nachbarstaat Kolumbien von den USA kräftig aufgerüstet wurde und wird - die Mittel fließen offiziell im Rahmen des von der US-Regierung ausgerufenen "Kriegs gegen Drogen". Neu sind die Vorwürfe also nicht. [...]
Für den Linkspopulisten Chavez, der mit der Opposition im eigenen Land nicht sonderlich zimperlich umgeht, hat das Aufbauschen des Streits mit den USA einen angenehmen Nebeneffekt: Er kann sich der Unterstützung vieler Landsleute gegen die "Gringos" aus dem Norden sicher sein. Auch wenn die venezolanische Opposition von weit hergeholten und aufgebauschten Vorwürfen spricht: Chavez positioniert sich damit für die Präsidentschaftswahl im Dezember.
(Quelle)

Angesichts der anhaltenden Spaltung der Gesellschaft sprechen manche politische Analysten von einem beginnenden Staatszerfall. Anzeichen hierfür sei, dass der „Staat weder öffentliche Sicherheit garantieren noch ein Mindestmaß an sozialer Integration und demokratischer Rechtsstaatlichkeit gewährleisten“ könne, obwohl Chávez durch die gewonnenen Wahlen über eine sehr starke Input- Legitimität verfügt. (Quelle)

Es ist also nachvollziehbar, warum der ReOpen911-Gründer und Finanzier Jimmy Walter ausgerechnet Venezuela und Hugo Chavez als internationalen Ansprechpartner für eine ‘unabhängige’ 9/11-Untersuchung ausgewählt hat. Chavez ist bekennender Bush-Feind und Venezuela befindet sich seit längerem im Visier der US-amerikanischen Geheimdienste. Praktischerweise fehlt in dieser Konstellation gleichzeitig die störende parlamentarische Opposition.

Für Jimmy Walter offensichtlich ein faszinierendes Gedankenspiel: Ein ausländischer Staatschef verkündet eine ‘unabhängige’ Untersuchung der 9/11-Verbrechen. Eine störende Opposition existiert hierbei nicht.
Die Bezeichnung ‘unabhängig’ erscheint vor diesem Hintergrund jedoch deutlich absurder als die ‘unabhängige’ 9/11-Commission, die bereits ihre Arbeit beendet hat.
Wie sollte z.B. die Arbeitsweise dieser neuen, ‘unabhängigen’ Untersuchung aussehen, wenn sie doch ebenfalls auf Quellen von involvierten Behörden und Unternehmen zurückgreifen muss - also Quellen von FAA, FBI, NORAD, CIA, NTSB, NIST, UA, AA, usw.?

Staatschef Chavez rechnet zudem jederzeit damit, von der CIA beseitigt zu werden - das freilich schon seit mehreren Jahren. Sollte er tatsächlich eines Tages abgesetzt werden, könnte Jimmy Walter dies als Intervention der CIA und Verhinderung der ‘unabhängigen’ Untersuchung interpretieren.

Es handelt sich um einen Schachzug, der die Glaubwürdigkeit der 9/11-Bewegung weiter beschädigen wird, falls er zur konkreten Zusammenarbeit führen sollte - und nicht nur als weitere öffentlichkeitswirksam Inszenierung endet.
Nur die üblichen Protagonisten werden begeistert sein und ihre eigene Version daraus ableiten - auch bei Gerhard Wisnewski findet sich kein einziges kritisches Wort. Es ist absehbar, daß eine solche ‘unabhängige’ Untersuchung als das behandelt würde, was sie ist: Eine fragwürdige, von politischen Interessen gelenkte Farce.
Ähnliche Vorwürfe gab es zuvor schon gegen die US-amerikanische Untersuchungs-Kommission. Nun will man ein solch vorbelastetes Gegenstück konstruieren?
Es handelt sich um eine absehbare Sackgasse. Die Rolle von Jimmy Walter darf gespannt weiterverfolgt werden.  

Bereits einen Tag nach den Anschlägen hatte Hugo Chavez seine Position dargelegt:
A day after the September 11 terrorist attacks, President Chavez declared that "The United States brought the attacks upon itself, for their arrogant imperialist foreign policy." Chavez also described the U.S. military response to bin Laden as "terrorism," claiming that he saw no difference between the invasion of Afghanistan and the September 11 terrorist attacks. (Quelle)

Haben die USA nun durch ihre imperialistische Politik die Anschläge zu verantworten oder haben sie die Anschläge für ihre imperialistische Politik genutzt? Oder haben Sie die Anschläge sogar veranlasst, um ihre imperialistische Politik durchzusetzen?

Das interpretationsfähige Statement vom 12.09.2001 zeigt deutlich, wie ‘ergebnisoffen’ eine Untersuchung unter Hugo Chavez aussehen dürfte.

Die einseitigen Zweifler suchen sich zweifellos bemerkenswerte Verbündete.
Dr. Edmundo Chirinos ist langjähriger Freund und Psychiater von Hugo Chavez. Er sagte folgendes über den egozentrischen Staatspräsidenten (der jeden Sonntag eine eigene mehrstündige Fernsehsendung moderiert):

Ich habe lange nachgedacht, mit welchem Politiker der heutigen Zeit man Hugo Chavez vergleichen könnte. Dieses Sendungsbewusstsein, dieses alle Widersprüche Wegwischende, diese biblische Sprache mit der Unterteilung in Gott und Satan, absolut gut und unendlich böse - mir fällt nur einer ein: George W. Bush. (SPIEGEL 29/2006, S. 55)

Bush - Chavez - Walter - Prisonplanet - Truth crusaders.

Ein irrer Zirkel.

 

Nachtrag 20.08.2007:

Die Marketing-Tour von ReOpen911-Jimmy Walter brachte weder den gewünschten Erfolg noch überhaupt irgendwas ausserhalb der USA in Bewegung.
Not even Hugo Chavez of Venezuela, Iran, or leftist media will devote time and resources to expose the lies. (Quelle)

Die Reaktion von Jimmy Walter:
This site remains up for those who want to know. I have given up. (Quelle, August 2007)

Kein Problem - dank Internet werden auch in 10 Jahren noch immer Schlagzeilen wie diese zu finden sein:
9/11: Regierung von Venezuela will neue Untersuchung (Gerhard Wisnewski, 2. April 2006)
Venezuelan Government To Launch International 9/11 Investigation (Prisonplanet und RINF und Propagandamatrix und Infowars, 31.03.2006)

 

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