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Die eingebildete Kamikaze-Kurve

Die Radardaten und Flugschreiberdaten dokumentieren, daß Flug American Airlines 77 im Anflug auf das Pentagongebäude ein bemerkenswertes Manöver vollzog:
 

AA77_flight_path02

Quelle: NTSB Flight Path Study American Airlines Flight 77, 19 Februar 2002

In der offiziellen Version wird der Sachverhalt folgendermaßen zusammengefasst:
At 9:29, the autopilot on American Airlines 77 was disengaged; the aircraft was at 7.000 feet and approximately 38 miles west of the Pentagon.
At 9:32, controllers at the Dulles Terminal Radar Approach Control” onserved a primary radar target tracking eastbound at a high rate of speed” This was later determined to have been Flight 77.
At 9:34, Ronald Reagan Washington National Airport advised the Secret Service of an unknown aircraft heading in the direction of the White House. American 77 was then 5 miles west-southwest of the Pentagon and began a 330-degree turn. At the end of the turn, it was descending through 2.200 feet, pointed toward the Pentagon and downtown Washington. The hijacker pilot then advanced the throttles to maximum power and dove toward the Pentagon.
(60. See FAA report,“Summary of Air Traffic Hijack Events: September 11, 2001,”Sept. 17, 2001;NTSB report, “Flight Path Study—American Airlines Flight 77,” Feb. 19, 2002; FAA report,“Report of Aircraft Accident,”Nov.13, 2001. (Quelle)

Die Spekulation zum Hintergrund dieser Rechtsschleife ist naheliegend:
Die Boeing 757 kam zu hoch in die finale Anflugphase und musste die Höhe mit einem kontrollierten Manöver reduzieren.
Niemand weiss genau, wie die Planung der Hijacker für diese Situation aussah.

Wie erklären ‘Verschwörungstheoretiker’ den potentiellen Hintergrund dieser Rechtsschleife?

Fehlanzeige!

Es gibt keine Erklärung, die konsistent zum Fernlenkungs-Szenario passt - gleichgültig ob Global Hawk / Skywarrior / F16 Militärjet /  Cruise Missile / ausgewechselte bzw. fremdgelenkte Boeing oder sonstige gegenseitig widersprechende VT-Szenarien.

Stattdessen konzentrieren sich ‘Verschwörungstheoretiker’ darauf, die offizielle Darstellung zu verzerren und dadurch in Frage zu stellen - sogenannte Strohmann-Argumente.

Gerhard Wisnewski kolportiert eine weitverbreitete Fantasie-Version des Anfluges, Andreas von Bülow kolportiert die angebliche Kamikaze-Version in einem Buchkapitel unter folgender Überschrift:
Für den Piloten nicht zu steuernde Kurvenradien (Die CIA und der 11. September, S. 194)

Andreas von Bülow präsentiert in seinem Buch zwei Versionen dieses Kamikaze-Anfluges. Am Anfang des Buches wird das Flugmanöver geradezu irrwitzig verzerrt dargestellt:
Kurz vor dem Ziel wurde das Flugzeug in eine Kehre von 270 Grad gezwungen und in acht Minuten aus einer Höhe von 10.000 Metern auf nahezu Bodenhöhe gedrückt. (Die CIA und der 11. September, S. 16)

Diese letzten acht Minuten sind im ‘911 Commission Report’ zusammengefasst und oben zitiert. Zu diesem Zeitpunkt - acht Minuten vor dem Impact - war die Maschine

1. noch 38 Meilen vom Pentagon entfernt

2. nur noch in einer Höhe von ca. 2.100 Metern (bzw. 7.000 feet)

3. noch ca. fünf Minuten vom Beginn der 330 Grad Schleife entfernt

Nach der 330 Grad-Schleife befand sich das Flugzeug noch in einer Höhe von ca. 600 Metern, die in den nächsten 30 Sekunden (bzw. ca vier Meilen) im geradlinigen Sinkflug reduziert wurden. (Quelle)

Nur das Wort ‘Flugzeug’ ist in der haarsträubenden Bülow-Verzerrung nicht zu beanstanden.

Derselbe Buchautor nähert sich ca. 180 Seiten später in einer zweiten Darstellung den Tatsachen ein wenig an:
Nach den offiziellen Angaben über den eingeschlagenen Kurs müsste der Pilot die mit einer Geschwindigkeit von 800 km/h fliegende Maschine aus den letzten 2100 Metern Höhe in einer Kurve von 270 Grad auf Bodenhöhe heruntergedrückt haben [...]. (Die CIA und der 11. September, S. 195)

Entgegen der Behauptung des Juristen befand sich das Flugzeug nach der 330 Grad-Schleife laut offizieller Darstellung noch auf einer Höhe von ca. 2000 Feet (ca. 600 Meter). Auf dem darauffolgenden geradlinigen Sinkflug beschleunigte die Maschine in den letzten 30 Sekunden bis auf 530 mph und reduzierte die Höhe erst in der finalen Anflugphase der letzten hundert Meter auf nahezu Bodenhöhe. (Quelle)

Dieses Flugmanöver wurde im Rahmen einer niederländischen TV-Doku von einem Piloten, der nach eigenen Angaben ähnliche Qualifikationen wie Hanjour besitzt, in einem professionellen Flugsimulator vor laufender Kamera nachgeflogen:
 


Pentagon Attack Analysis (Zembla) - MyVideo

Das Fazit dieser Doku:
We do it three times and three times we hit the Pentagon.

Der Buchautor zitiert stattdessen namenlose Piloten, von denen zudem unbekannt ist, ob sie nur die verzerrte Kamikaze-Version der ‘Verschwörungstheoretiker’ kommentieren: 
Derartige Flugmanöver zu fliegen sei für nichttrainierte Piloten ein Ding der Unmöglichkeit, meinen denn auch erfahrene Luftwaffenpiloten aus aller Welt. (Die CIA und der 11. September,  S. 195)

Anders formuliert: Heisse Luft.
 

Der eingebildete Kamikaze-Radius

In der Überschrift des Buchkapitels ist von einem Kurvenradius die Rede, der nicht zu steuern wäre. Andreas von Bülow schreibt dazu:
Doch ein anderes Element des Vorgangs ist wichtiger. Bei einen derart engen Kurvenradius und hoher Geschwindigkeit treten Fliehkräfte auf, die ohne Druckanzug das Blut aus dem Kopf in die Extremitäten drücken, so daß der Betreffende bewußtlos würde. Der Selbstmordpilot hätte für ein derartiges Manöver einen Spezialanzug für Kampfflieger tragen müssen, der diese Wirkung unterbindet oder einschränkt. (Die CIA und der 11. September, S. 195)

Die auftretenden Fliehkräfte lassen sich nur berechnen, wenn der Radius bekannt ist. Einen Radius kann man nur berechnen, wenn die Flugstrecke bekannt ist.
Woher hat Andreas von Bülow sein Wissen von den phänomenalen Fliehkräften?

In einem Beitrag im Internet wird behauptet, in den Verkehrsmaschinen vom Typ 757 und 767 habe Boeing über den Bordcomputer das Fliegen von Kurvenradien unmöglich gemacht, die Passagiere einer Belastung von mehr als 1,5 g, d.h. dem Anderthalbfachen des Körpergewichts, aussetzen. Diese Automatik soll vom Cockpit aus nicht ausschaltbar sein. Bei dem engen Kurvenradius der AA 77 über Potomac und National Airport im Anflug auf das Pentagon rechnen Sachverständige jedoch mit g-Werten von 5 bis 7, eine Größenordnung, die Kampfjetpiloten nur mit Hilfe ihrer Druckanzüge überleben. (Die CIA und der 11. September, S. 195f)

In der Fußnote zu der Herkunft dieses “Beitrags aus dem Internet” findet sich folgender Verweis: “FriendsofLiberty.com; submitted by Anonymous.” (link zum Posting)

Dieser ‘fundierte’ Quellenhinweis wird seriös arbeitenden Journalisten auf der Zunge zergehen. Aber selbst das ist nur die halbe Wahrheit.
Der genannte “Anonymous” hat lediglich den Teil-Abschnitt eines Textes recycelt, dies jedoch in seinem Posting nicht erkennbar gemacht (z.B. durch Auslassungszeichen o.ä.). Der Text stammt originär von einem gewissen Jim Heikkila, der komplette Text findet sich unter www.higherpraise.com

Wovon handelt dieser Text im wesentlichen?
NWO, Weltregierung, Illuminaten und dem Buch der Offenbarung.
Wer dieser Heikkila ist und woher er seine Informationen hat, bleibt unergründlich - in der VT-Szene kursiert dieser Beitrag jedoch unerschütterlich als Beleg für Fantasie-Fliehwerte.
Es überrascht nicht, daß in diesem Text u.a. auch die Kamikaze-Version auftaucht, die Andreas von Bülow kolportiert:
This large plane did a noise dive from 35000 feet or more.  down to 100 to 200 ft and just slipped  under towers electrical poles and made  a perfect hit. Who are they trying to kid, we are not that gullible are we? 

Da steht allen ernstes folgendes:
“Wen versuchen die zu veralbern, wir sind nicht so leichtgläubig, nicht wahr?”

Nunja, jedem seinen Glauben und die entsprechenden Glaubensbrüder.

Aus dieser absurd wirkenden Quelle entstammt auch die unbelegte Behauptung von phänomenalen Fliehwerten:
[...] military personnel have calculated that the Pentagon plane pulled between five and seven g's in its final turn.

Bedauerlicherweise ist von diesen angeblichen Berechnungen durch angebliches Militärpersonal im Zusammenhang mit den Passagiermaschinen vom 11.09.2001 ausserhalb dieses Postings nichts bekannt. Daran ändert auch die unkritische Wiederholung im Buch des Herrn von Bülow nichts. 

Das ist also die Quelle des Ex-Forschungsministers. Aus solchen Quellen und Prämissen schlussfolgert der Jurist allen Ernstes:
So kann es nicht gewesen sein, sucht nach der Wahrheit! (Quelle)

Vielleicht hat er deshalb auch gleich die Reaktionen im Forum auf dieses Posting “überlesen”?
Furthermore, a visit to Boeing's home page, as you suggested, did not confirm your claims, Perhaps if you posted a URL?
I have one for you: http://www.boeing.com/commercial/aeromagazine
In which it clearly states that "At bank angles greater than 67 degrees, level flight cannot be maintained within flight manual limits for a 2.5 g load factor" Furthermore, there is a link in that article showing Boeing passenger planes rated up to about 3g's of force for SAFE emergency recovery maneuvers. However, the planes in question were neither flying level, nor were they intended to survive the extreme banking the pilots were subjecting them to. Therefore one could conclude that a pilot could force the plane into a relatively high-g turn if he wasn't expecting to stay within safe operating limits.
I suggest you do a little more research before trying to spread your anti-government messages (that was your intent, right? Without saying it, you are basically saying the entire 9/11 ordeal is a government scheme/coverup -- who else could manufacture cell phone calls, who else could "take control" of a passenger-filled 757 and fly it into a building?)

Auch der letzte Absatz dieses Folge-Postings war an  “Anonymous” gerichtet, nicht an Andreas von Bülow - er könnte aber ebenso gut gemeint sein.

Ein dokumentiertes Beispiel bestätigt, daß Passagiere einer Belastung von wesentlich mehr als 1,5 g ausgesetzt werden können und zeigt, wie die Bordcomputer in solchen Fällen ‘eingreifen’. Es handelt sich um einen Flugbehörden-Bericht über einen Zwischenfall, der sich während des Fluges einer anderen Boeing 757 ereignete:
At this time the First Officer called out “PULL UP!” - “PULL UP!”. The GPWS aural warnings of “TERRAIN” and then “TOO LOW TERRAIN” were activated. Both pilots were active at the control columns and a maximum “up” input was made. A split between left and right elevator was indicated at this time. It appears the split occurred due to both pilots being active at the controls. The pilots did not register the aural warnings. During the dive the airspeed increased to 251 kt and the lowest altitude in the recovery was 321 ft radio altitude with a peaked load factor of +3.59 g’s. (Quelle)

Mehr als 3.5g! Von den 82 Personen an Bord benötigte niemand eine medizinische Behandlung.

Noch extremer traf es eine Boeing 747, die 1985 unkontrolliert über 10.000 Fuß an Höhe verlor. Es wirkten Kräfte von über 5g auf 274 Menschen, zwei davon galten nach dem Vorfall als verletzt. Die Maschine überstand auch diese Extrembelastung. (Quelle)   

Diese Beispiele sind jedoch überflüssig, da Andreas von Bülow für seine Prämisse der hohen Fliehwerte nichts ausser anonyme Behauptungen in einem anonymen Posting in einem anonymen Internet-Forum vorzuweisen hat, das eine unbelegte Behauptung eines Bibel-Predigers unbekannten Hintergrunds wiederkäut.

Anders formuliert: Heisse Luft

Die absurd wirkende Flugradien-Story dient als Puzzlestück einer bestimmten Gegen-Version, die sich in folgender Schlussfolgerung andeutet:
Werden diese Maschinen allerdings über die Hintertür des Bordcomputers ferngesteuert, kommt die Flugradieneinschränkung angeblich nicht zum Zuge. (Die CIA und der 11. September, S. 196)

Hierzu sei auf folgendes Statement verwiesen:
Elizabeth Verdiev, a spokesperson for Boeing, stated on June 16, 2005:
No Boeing commercial jet transport can be controlled from outside the airplane. No Boeing commercial jet transport can be "commanded" or have its flight controlled other than from within the flight deck by the pilots. Pilots can program the airplane to take off, fly to a destination and land automatically, but Boeing design philosophy keeps pilots in control and in the decision-making loop at all times.
(Quelle)

Man muss dieser Stellungnahme keineswegs glauben.
Jedoch sind Fantasie-Kurven und Fantasie-Fliehwerte keine Indizien gegen diese Boeing-Stellungnahme - sie sind nur Indizien für die Arbeitsweise von Andreas von Bülow und Co.

 

Desinformanten-Front

Im Dezember 2008 wurde Hamid Gul von PRISONPLANET interviewt.
Hamid Gul leitete von 1987 bis 1989 den zwielichtigen pakistanischen Geheimdienst ISI. Mit dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan verlor Gul seine Position und gilt insbesondere seit diesem Zeitpunkt als eine der vielen fragwürdigen Gestalten, die im Dickicht des nahezu unentwirrbaren Interessenkonflikts im afghanisch-pakistanisch-indischen Krisengebiet ihre Strippen ziehen.
Zu den langjährigen Vorwürfen gehört auch der Verdacht, daß Hamid Gul den Taliban und OBL näher steht als es westlichen Mächten recht sein kann:
According to Zahid Hussain, in his book Frontline Pakistan, Lt. Gen. Hamid Gul and former Army chief General Mirza Aslam Beg were part of the 9 January, 2001 Darul Uloom Haqqania Islamic conference held near Peshawar, which was also attended by 300 leaders representing various radical Islamic groups. The meeting declared it a religious duty of Muslims all over the world to protect the Taliban government, and the Saudi dissident Osama bin Laden it was hosting, whom they considered as a 'great Muslim warrior.' (Quelle)

Die Position von Gul drückt sich auch in einem Statement von 2003 aus
“God will destroy the US in Iraq and Afghanistan and wherever it will try to go from there, [....] Muslim world must stand united to confront the US in its so-called war against terror which is in reality a war against Muslims. Let’s destroy America wherever its troops are trapped.” (Quelle)

Auch in neueren Publikationen wird das perfide Spiel des Hamid Gul dokumentiert:
Eine Sonderrolle spielt in den ISI-Dokumenten der ehemalige pakistanische Geheimdienst-Chef Hamid Gul. Gegenüber westlichen Medien zeigte sich Gul nach seinem Ausscheiden als eine Art Propagandist der Taliban. Und auch in den jetzt vorliegenden Dokumenten taucht er als wichtiger Helfer auf, einmal gar als "ein Anführer" der Taliban. In einem Bedrohungsbericht vom 14. Januar 2008 wird behauptet, er habe die geplante Entführung von Uno-Mitarbeitern auf dem Highway Nr. 1 zwischen Kabul und Dschalalabad koordiniert.

Solche fragwürdigen Hintergründe interessieren Protagonisten wie PRISONPLANET selten, wenn spektakuläre Aussagen der Interviewpartner ins eigene Konzept passen. Paul Joseph Watson hat einige der ‘Argumente’ festgehalten, die laut Gul für einen ‘Inside Job’ sprechen. Darunter war auch eine Recyclingversion der Kamikaze-Kurve:
Gul then highlighted the implausible proficiency of alleged Flight 77 lead hijacker Hani Hanjour, who according to his flight instructors could barely fly a Cessna yet supposedly pulled off maneuvers that crack military pilots would have difficulty achieving in order to hit the Pentagon.
‘The height (of the plane) was 9,000 (feet) and it came within seconds to a height of 1,000 and then went straight into its target, this is not possible for a person who has been trained on a light aircraft to be able to do this, said Gul.

Der Geheimdienst-Experte demonstriert, wie simpel Desinformation funktioniert (natürlich auch an weiteren Beispielen im Interview erkennbar):
Eine nachweislich falsche Kamikazeversion wird propagiert und gezielt kommentiert: Kann so unmöglich gewesen sein. 

von Bülow: Meine Aufgabe endet damit, zu sagen: So kann es nicht gewesen sein, sucht nach der Wahrheit! (Quelle)

Mit freundlicher Unterstützung von PRISONPLANET - einem ganz simplen Motto folgend, das der ebenfalls instrumentalisierte Ex-CIA’ler Robert Baer in seinen Büchern ausführlich beschreibt:

Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
 

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