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Eine Fluglotsin - ein Flugzeug - zwei Interpretationen
Danielle O’Brien war am 11. September 2001 als Fluglotsin am Dulles Flughafen wenige Minuten für American Airlines 77 zuständig. Ihre letzte Funkverbindung zum Cockpit von AA77: 1225:33 American seventy seven, contact Washington center one two zero point six five. Good flight. (siehe ATC-Transkript, Hervorhebung von mir)
Wenige Wochen danach beschreibt Ms. O’Brien in einem Interview eine eigenartige aber erklärbare Abweichung: Ms. O'BRIEN: And then I asked American 77 to contact the next controller. 'American 77 contact Washington center, 120.65. Good luck.' ROSS: Good luck? Do you have any idea now why you might have said good luck? Ms. O'BRIEN: I have no idea whatsoever. It's chilling--it's chilling. I usually say 'good day' as I ask an aircraft to switch to another frequency, or 'have a nice flight.' But never 'good luck.'
Sie sagte es laut Transkript auch an diesem Tag nicht - Erinnerungen können trügen.
Wichtiger sind die Anmerkungen zu dem Flugobjekt, das eine Stunde nach dem letzten Funkkontakt in den Zuständigkeitsbereich von Ms. O’Brien zurückkehrte. Diese Beobachtungen wurden zum Gegenstand bemerkenswerter Interpretationen. Zunächst die entscheidenden Interview-Passagen: Ms. O'BRIEN: We started moving the planes in as quickly as we could. Then I noticed the aircraft. It was an unidentified plane to the southwest of Dulles moving at a very high rate of speed. I had literally a blip and nothing more. I slid over to the controller on my left, Tom Howell, and I asked him, 'Do you see an unidentified plane there southwest of Dulles?' And his response was, 'Yes. Oh, my gosh, yes! Look how fast he is.' [...] Ms. O'BRIEN: Between 12 and 14 miles. John, our supervisor, relayed verbatim. 'OK, he's 12 miles west, he's moving very fast eastbound. OK guys, where he is now? Eleven miles west.' And it was just a countdown. Ten miles west, nine miles west. Somewhere right in this vicin -- in this time frame, our supervisor picked up our line to the White House and started relaying to them the information. 'We have unidentified very fast-moving aircraft inbound toward your vicinity, 8 miles west.' [...] Ms. O'BRIEN: And it went six, five, four, and I had it in my mouth to say three and all of a sudden the plane turned away. In the room it was almost a sense of relief. 'This must be a fighter. This must be one of our guys sent in -- scrambled to patrol our Capitol and to protect our president. And we sat back in our chairs and breathed for just a second. In the meantime, all of the rest of the planes are still flying and we're taking care of everything else. And the plane turned back. He continued in the right-hand turn, made a 360 degree maneuver” (Quelle)
Danielle O’Brien beschreibt also folgenden Ablauf: Ein schnelles Flugobjekt tauchte auf ihrem Radar als Primärsignal auf - keine Kennung, keine weiteren Informationen. Das Flugobjekt bewegte sich ostwärts Richtung Weißes Haus - anscheinend im letzten Augenblick drehte das Flugobjekt Richtung Süden ab. Als das unidentifizierbare Flugzeug sich auf dem Radarschirm vom scheinbaren Ziel - dem Weißen Haus - abwendet, geht den Fluglotsen erleichtert der Gedanke durch den Kopf, daß es sich wohl um einen Kampfjäger handeln müsse, der den Luftraum sichert. Die Fluglotsen versuchten dieses Manöver mit diesem Gedanken zu erklären.
In einem weiteren ABC-Interview vom gleichen Tage erwähnt sie folgendes - die zuvor geschilderten Abläufe zusammenfassend: The speed, the maneuverability, the way that he turned, we all thought in the radar room, all of us experienced air traffic controllers, that that was a military plane," says O'Brien. "You don't fly a 757 in that manner. It's unsafe. (Quelle)
Die Fluglotsin erklärt nochmals den naheliegenden Grund, warum das Radarsignal anders interpretiert wurde: Man fliegt eine Boeing 757 normalerweise nicht in dieser Art und Weise - normalerweise. Die Statements der FAA-Angestellten widersprechen in keinem einzigen Punkt der ‘offiziellen’ Version. Die fragliche Boeing 757 wurde an diesem Tage nicht nach den Prämissen der FAA-Regularien gelenkt - der Hijacker-Pilot handelte zu diesem Zeitpunkt nach anderen Kriterien.
Diese Zeugin spielt trotzdem eine bedeutende Rolle in der Argumentation von Zweiflern. In Wisnewskis Buch ‘Operation 9/11’ taucht sie dreimal auf: Dieses Phänomen einer ungewöhnlich wendigen und schnellen Passagiermaschine kennt man bereits vom Pentagon. Auch da beobachtete die Fluglotsin Danielle O’Brien keine große Passagiermaschine, sondern etwas völlig anderes: “Aufgrund der Geschwindigkeit, der Wendigkeit und der Art und Weise, wie er Kurven flog, dachten wir alle im Radarraum, alle wir erfahrenen Fluglotsen, daß dies ein militärisches Flugzeug sein muß. Man kann eine Boeing 757 nicht auf diese Weise fliegen, das ist gefährlich”, erklärte O’Brien in dem Interview mit dem Fernsehsender ABC. Für sie war klar: Die Maschine, die hier mit hoher Geschwindigkeit auf das Pentagon zuflog, “muß ein Jäger sein.” (Operation 9/11, S. 161, S. 234 und S. 245)
Anhand dieser Darstellung ergeben sich weitere Einblicke in die Interpretations-Methoden von Zweifel-Protagonisten:
1. Die Maschine, die hier mit hoher Geschwindigkeit auf das Pentagon zuflog, “muß ein Jäger sein”.
Das Zitat “this must be an fighter” wird nicht im korrekten Kontext wiedergegeben. Den Gedankengang der Fluglotsen lässt sich klar erkennen, wenn man die zusammenhängende Darstellung berücksichtigt. Aus der oben dokumentierten Vermutung der Fluglotsen, die ihnen beim Abwenden der unidentifizierten Maschine vom vermuteten Ziel “White House” als Erklärung durch ihren Kopf schoss, mutiert letztlich folgende Behauptung: In der Nähe des Pentagons sahen die Fluglotsen also einen Jäger herumrasen. (Operation 9/11, S. 234)
2. Dieses Phänomen einer ungewöhnlich [...] schnellen Passagiermaschine [....]
Was hat es mit der “ungewöhnlich schnellen Passagiermaschine” auf sich? Ms. O'BRIEN: [...] Then I noticed the aircraft. It was an unidentified plane to the southwest of Dulles moving at a very high rate of speed. I had literally a blip and nothing more. [...] ROSS: (VO) A representation of the FAA radar scope, based on information obtained by 20/20, shows the plane headed straight for what is known as P-56, Prohibited Air Space 56, which covers the White House and the Capitol, at a speed of about 500 miles an hour with no radio contact whatsoever.” (Quelle), Hervorhebung von mir)
Die Fluglotsin selbst sagt nichts konkretes über die Geschwindigkeit, berichtet lediglich davon, daß sich ein “unidentified plane” - wegen des fehlenden Transponder-Signals gab es über den Primärradar nur eingeschränkte Informationen - “at a very high rate of speed” bewegte. Die Angabe “at a speed of about 500 mph” wird vom Fernsehsender ergänzt, bezieht sich wahrscheinlich auf die Radar- bzw. Flugschreiber-Daten und war in der Tat ‘ungewöhnlich’ - jedoch innerhalb der Spezifikationen einer Boeing 757 (Quelle).
Dieses “Phänomen” widerspricht also ebenfalls nicht der ‘offiziellen’ Version.
3. Der Buchautor demonstriert mit unscheinbar wirkenden Modifikationen, wie aus Unwahrscheinlichkeiten Unmöglichkeiten gebastelt werden können: Man KANN eine 757 nicht auf diese Weise fliegen, das ist gefährlich. (Operation 9/11, S. 161, Hervorhebung von mir)
Die Wisnewski-Übersetzung ist an einer entscheidenden Stelle nicht korrekt. Danielle O’Brien sagt: You DON’T fly a 757 in that manner. It's unsafe. (Quelle, Hervorhebung von mir)
Ms. O’Brien sagt nicht, daß man das beobachtete Flugverhalten mit einer Boeing nicht durchführen kann. Sie sagt vielmehr, daß man es nicht macht.
Und warum nicht?
It's unsafe.
Das ist unbestritten und für Fluglotsen und Piloten ein wesentlicher Aspekt ihrer Arbeit. Für Selbstmord-Hijacker dürften diese Aspekte jedoch von nebensächlicher Bedeutung sein.
Und wie fliegt man ein Boeing 757 normalerweise nicht?
In niedriger Höhe mit hoher Geschwindigkeit (the speed, the maneuverability)
Und was war noch verwunderlich?
... the way that he turned ...
Im ersten Interview wurde im Zusammenhang deutlich, welcher hilfesuchende Gedankengang den Fluglotsen durch den Kopf schoss, als das Flugobjekt vom scheinbaren Zielobjekt ‘White House” abdrehte: This must be a fighter. This must be one of our guys sent in .....
Aus diesem Mix ergab sich der beschriebene Eindruck: [...] we all thought in the radar room, all of us experienced air traffic controllers, that that was a military plane”
Diese Aussage bleibt demnach interpretationsfähig - der Kontext sollte allerdings beachtet werden.
Der ‘No Boeing’-Hoaxer Thierry Meyssan ‘interpretiert’ die O’Brien-Statements in bezeichnender Form: Dieser Fluglotse [Anm.: gemeint ist Danielle O’Brien] bestätigte, daß die Flugdaten nur die einer Militärmaschine gewesen sein konnten. (Pentagate, S. 65)
Am Ende des Interviews beschreibt die Fluglotsin Danielle O’Brien noch etwas bemerkenswertes: Ms. O'BRIEN: I called a girlfriend of mine that evening and I got her answering machine and I said, 'You're not going to believe what I've been involved with today.' And I said, 'You know, American 77, I saw him. I saw it all. Call me.” (Quelle, Hervorhebung von mir)
Im Buch von Wisnewski taucht stattdessen folgende Behauptung auf: Denn aus O’Briens Sicht liegt auf der Hand, daß es sich bei dem von ihr geortetem Flugzeug nicht um eine zivile Passagiermaschine handeln konnte. (Operation 9/11, S. 234)
Diese Sicht resultiert - wie oben ausgeführt - aus der kreativen Interpretation des Buchautors.
Dann folgt die erstaunliche Schlussfolgerung vom Buchautor: Das Schicksal von Flug American Airlines 77 ist somit aus der Sicht der Flugsicherung nicht aufgeklärt. (Operation 9/11, S. 234)
Zusammenfassung:
Eine Lektion zum kreativen Umgang mit Zitaten. Scheinbar unbedeutende Ungenauigkeiten in der Übersetzung (“can’t” statt “don’t”) und aus dem Kontext gerissene Sätze (“This must be a fighter”) dienen einer bestimmten Wirkung. Mit diesen Methoden wird eine Aussage bearbeitet, um sie als zentrales Indiz gegen die Boeing-Version verwenden zu können. Aus der Interpretation folgt eine Schlussfolgerung, die geschickt formuliert einer Behörde untergeschoben wird: ...ist somit aus der Sicht der Flugsicherung nicht aufgeklärt.
Die Sicht eines Buchautors ist nicht die Sicht der Flugsicherung.
Die Sicht des Buchautors ist erneut mit Vorsicht zu geniessen, wie sich auch an diesem Beispiel konkret belegen lässt: Obwohl Ms. O’Brien als Zeugin des Tatablaufes explizit mehrmals zitiert wird, erscheint an anderer Stelle im Buch eine andere Version, die eine andere ‘Merkwürdigkeit’ suggerieren soll - die Nordwestkurve.
MOSAIK911 und die angeblichen Nebensächlichkeiten
Es handelt sich nicht um eine Nebensächlichkeit, denn:
1. Diese Zeugenaussage einer Fluglotsin und ihre Interpretation ist Bestandteil von Büchern und Videos.
2. Die Methode der kreativen Interpretation findet sich bei anderen Zitaten wieder.
3. Der Buchautor propagiert in diesem Buch die Version vom ‘schnellen Militärjet”, im nächsten Buch die Version von der ‘langsamen Global Hawk’.
4. Der Buchautor propagiert in diesem Buch nicht nur die Version des ‘Militärjets’ aus Westen, sondern auch noch des Flugobjektes aus nördlicher Richtung.
5. Diese Interpretationen sind Baustein einer These, die der ‘offiziellen’ Version gegenübergestellt wird. Sie zeigt exemplarisch, wie Indizien für ‘alternative’ Versionen konstruiert werden. Zuerst steht die spinnerte These, dann werden Informationen darauf zugeschnitten. Ich werfe Wisnewski also nicht FEHLER vor, nicht Ungenauigkeit oder Schlamperei. das kann jedem mal passieren. Sollte nicht, tut`s aber. Es geht um bewußte Irreführung der Leser. Die Grundinformationen des Artikels stimmen nicht, und das liegt nicht an Schlamperei. (Zitat Andreas Hauß)
Die scheinbare Nebensächlichkeit ist demnach lediglich ein konkretes Beispiel für die Methodik und der doppelzüngigen Gratwanderung der Zweifler-Szene im Umgang mit ihren Protagonisten.
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