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Die Vorgeschichte der OP Northwoods - Präsidiale Familienehre vor 40 Jahren

Nach einem knappen und umstrittenen Wahlsieg gegen den amtierenden Vize-Präsidenten Richard Nixon begann im Januar 1961 die Amtszeit von John F. Kennedy. Sein Bruder Robert F. Kennedy übernahm das Amt des Justizministers.
Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 8. November war denkbar knapp. Die Auszählung zog sich bis weit in den nächsten Morgen hin. Kennedy hatte nur knapp 113.000 Stimmen mehr erhalten als Nixon - bei einer Rekordwahlbeteiligung von fast 70 Millionen Amerikanern. Der Vorsprung war in den Einzelstaaten oft hauchdünn gewesen. In vielen Fällen wurden die Ergebnisse angezweifelt. [...]
Nur knapp die Hälfte der Wähler hatte für Kennedy gestimmt. Er besaß kein wirkliches Mandat für seine Politik.
(Quelle)

Amtsvorgänger Dwight D. Eisenhower beschrieb resigniert, was Kennedy zu erwarten hatte:
“Unsere Nachrichtendienste sind ihrer Grundstruktur eine Fehlkonstruktion”, wies er Dulles zurecht. Sie haben weder Hand noch Fuß und müssen umorganisiert werden, und das hätten wir schon viel früher tun müssen. Seit Pearl Harbour hat sich an ihrer Struktur nichts geändert. “Acht Jahre habe ich hier eine Niederlage nach der anderen einstecken müssen”, so lautete das resignierte Urteil des Präsidenten am Ende seiner Amtszeit.
Er werde seinem Amtsnachfolger “einen Scherbenhaufen hinterlassen”.
(Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 233)

Das nachrichtendienstliche Debakel um die Fehleinschätzung des Fidel Castros hatte zu dieser Resignation beigetragen:
“Obwohl unsere Geheimdienstexperten einige Monate hindurch unschlüssig waren”, schrieb Eisenhower in seinen Memoiren, “kamen sie doch durch den Lauf der Ereignisse allmählich zu der Erkenntnis, daß mit der Machtübernahmen Castros der Kommunismus in die westliche Hemisphäre eingedrungen war.” (Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 217)

Eisenhower billigte im März 1960 CIA-Operationen, um den Sturz von Fidel Castro herbeizuführen.
A Program of Covert Action Against the Castro Regime, March 16, 1960 (Bay of Pigs Invasion Documents)

Vorgelegt wurden die Pläne von CIA-Direktor Allan Dulles und dem Leiter der Abteilung Geheimoperationen Richard Bissell. Beide hatten bereits Anfang 1960 verdeckte Operationen eingeleitet und schreckten im Sommer 1960 auch nicht davor zurück, Mafia-Killer auf Castro anzusetzen. (Quelle, Quelle, vgl. Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 217f) 

Alle CIA-Operationen endeten im Fiasko.

Drei Monate nach der Amtseinführung Kennedys fand im April 1961 die Invasion in der Schweinebucht statt - wieder von Dulles und Bissell zu verantworten. Die Operation wurde zum größten Fiasko für CIA und Kennedy - The Bay of Pigs Invasion - A Chronology of Events

In seinem Zorn hatte Präsident Kennedy nach der Schweinebucht zunächst den Plan, die CIA zu zerschlagen. Dann aber löste er die Geheimdienstaktivitäten der CIA aus ihrer Todesspirale und unterstellte sie der Oberaufsicht seines Bruders. [...] Mit Robert F. Kennedy, damals 35 Jahre alt, übernahm ein Mann die Kontrolle über die heikelsten Geheimaktivitäten der USA, der bekannt war für seine Skrupellosigkeit und einen Hang zur Heimlichtuerei besaß. Zusammen waren diese beiden Männer verantwortlich für eine Ausweitung der Geheimdienstaktivitäten in einer bis dahin beispiellosen Intensität. Während unter Eisenhower in acht Jahren 170 größere Geheimoperationen der CIA stattgefunden hatten, brachten es die Kennedys in weniger als drei Jahren schon auf 163 geheime CIA-Einsätze. (Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 248f)

Im November 1961 richteten die beiden Kennedys unter größter Geheimhaltung einen neuen Planungszirkel für Geheimoperationen ein, die (erweiterte) Sondergruppe. Das war Robert Kennedys Verein, der nur eine Aufgabe hatte: Castro ausschalten. (Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 251) 

Indessen verblasste die Berliner Mauer wie alles übrige hinter dem Wunsch der Kennedy-Brüder nach Vergeltung für die in der Schweinebucht verlorene Familienehre.
Castros Sturz hatte “oberste Priorität für die Regierung der USA”, wie Robert Kennedy am 19.01.1962 CIA-Direktor McCone wissen ließ. [...] McCone machte allerdings darauf aufmerksam, daß die CIA über zu wenige echte Erkenntnisse verfüge, auf deren Grundlage sie handeln könne.
(Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 254f)

Fast 40 Jahre später hatte CIA-Direktor George Tenet aus ähnlichen Gründen ein weiteres Desaster amerikanischer Aussenpolitik mit zu verantworten - wieder im Zusammenhang mit einem US-Präsidenten, der aus geostrategischen und familiären Gründen besonderes Interesse an der Beseitigung eines Widersachers hatte.

“Lasst uns verdammt nochmal mit dieser Sache vorankommen”, schnauzte der Justizminister. [Anm.: Robert Kennedy] “Der Präsident will, daß was passiert, und zwar sofort!” (Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 256)

So entstand auf Druck der Kennedy-Brüder das sogenannte ‘Kuba-Projekt’, Deckname Operation Mongoose, (Quelle, siehe u.a. Memo vom 20.02.1962).
[...] Robert Kennedy organized a secret project, code named "Mongoose." On January 19, 1962, in a pep talk to the team, Kennedy called deposing Castro "the top priority of the U.S. government -- all else is secondary -- no time, money, effort, or manpower is to be spared." (Quelle)

Der Druck führte zu einem Bündel radikaler Vorschläge und Aktionen, die das Bild von CIA, Militär und US-Politik nachhaltig prägen sollten:
Though it happened under the radar, history has revealed that Operation Mongoose was, in its own way, every bit as disastrous as the Bay of Pigs.
"It was an expensive and embarrassing failure," summed up Thomas. "Castro after all is still alive in Cuba, and the people who tried to get him are long since gone. And the way they went after him, by hiring the Mafia, was something that has long-term effects on U.S. foreign policy. People still see the CIA as this sinister, nefarious force. It was a fundamentally foolish thing to do and Bobby bears real responsibility for it."
(Quelle)

Ein Memorandum des Brigadegenerals William Craig vom Februar 1962 enthielt bereits eine Vielzahl möglicher Provokationsszenarien, u.a. ‘false flag’-Aktionen (siehe Operation Bingo): Possible Actions to Provoke, Harass or Disrupt Cuba,
 

Operation Northwoods - abgelehnt

Der damalige CIA-Leiter für verdeckte Operationen und spätere CIA-Direktor Richard Helms beschreibt einige Vorschläge treffend als ‘verrückte Intrigen’:
Vom Pentagon und vom Weißen Haus wurden, laut Helms, ein paar ‘verrückte Intrigen’ ausgeheckt. Etwa die Versenkung eines amerikanischen Schiffs im Hafen von Guantanamo und die Vortäuschung eines terroristischen Angriffs auf ein amerikanisches Linienflugzeug zur Rechtfertigung einer neuerlichen Invasion auf Kuba. (Tim Weiner, CIA-Die ganze Geschichte, 2007, S. 256)

Helms Bemerkung bezieht sich auf Teile von ‘Operation Northwoods’, einem Aktionsplan des US-amerikanischen Generalstabes unter Leitung des Hardliners Lyman Lemnitzer. Das Memorandum beschreibt erneut die vielfältigen Möglichkeiten, einen Kriegsvorwand zu fabrizieren (Zusammenfassung):
Justification for U.S. Military Intervention in Cuba, 13. März 1962

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Das Dokument wurde 1998 freigegeben und ist seitdem durch das National Security Archive (NSA) online verfügbar. Die Veröffentlichung erfolgte in Zusammenarbeit mit CNN im Rahmen einer TV-Dokumentationsreihe zum ‘Kalten Krieg’
Der Geheimdienstexperte James Bamford bestätigt die Echtheit der Dokumente und beschreibt diese ausführlich in ‘Body of Secrets’ (im April 2001 erschienen, Auszug).
Bamfords Charakterisierung von ‘Operation Northwoods’:
“[...] may be the most corrupt plan ever created by the U.S. government.” (Quelle, Bamford-Interview).

Vielleicht wäre es treffender, “created” gegen “published” auszutauschen, denn:
“The scary thing is none of this stuff comes out until 40 years after," says Bamford. (Quelle)

James Bamford lässt in seiner ausführlichen Darstellung auch keinen Zweifel daran, welche treibende Kraft für die Planspiele verantwortlich war:
Lemnitzer und die anderen Stabchefs wussten, daß es nur noch eine Möglichkeit gab, die sicher zum Krieg führen würde. (NSA, 2002, S. 113)
Im letzten Satz des Briefes, in dem Lemnitzer diese Operationen Minister McNamara empfahl, forderte er, daß der Vereinigte Generalstab mit der Ausführung von Operation Northwoods und der Invasion betraut würde. (NSA, 2002, S. 117)
Trotzdem beharrten Lemnitzer und seine Stabchefs weiter auf ihrem Vorhaben [...] Lemnitzer war geradezu tollwütig in seinem Hass auf den Kommunismus im Allgemeinen und Castro im Besonderen.
(NSA, 2002, S. 118)

Das 40 Jahre alte Memorandum und die Reaktionen zusammengefasst:

1. Ein Bündel an Provokations-Maßnahmen, von denen einige umgesetzt wurden (psychologische Kriegsführung, Sabotage, Unterstützung der Opposition, siehe hier)

2. Die ‘false flag’-Vorschläge beinhalten explizit keine US-amerikanischen Opfer.

3. Die ‘false flag’-Vorschläge waren ausserhalb des US-Territoriums angesiedelt.

4. In der heißen Phase des ‘Kalten Krieges’ wurden die Vorschläge von der politischen Führung abgelehnt - obwohl die Kennedy-Brüder unter enormen Erfolgs- bzw. Zeitdruck standen und in der Wahl ihrer Methoden nicht zimperlich waren (siehe u.a. Castro-Mordaufträge an Mafia-Mitglieder).

Über eine Adaption von Elementen der ‘Operation Northwoods’ könnte spekuliert werden beim sogenannten Tonkin-Zwischenfall vom August 1964:
Bamford believes--with ample justification--that the Gulf of Tonkin incident that led to the Vietnam War was a successful application of the Operation Northwoods strategy. (Quelle)

Es geht aber auch banaler - mit einer weiteren Parallele zum CIA-Desaster des Jahres 2003:
In dem im November 2005 freigegebenen Eingeständnis der NSA heisst es: “Die überwältigende Mehrheit der Meldungen, wären sie verwertet worden, hätten darüber Auskunft gegeben, daß kein Angriff stattgefunden hatte.” [...]
Die Informationen, so die Schlussfolgerung des Berichts, “wurden absichtlich so zurechtgebogen, daß die These gestützt wurde, es habe einen Angriff gegeben. Den amerikanischen Nachrichtendienstlern gelang es, die “Gegenbeweise wegzuerklären.”
(Tim Weiner; CIA - Die ganze Geschichte; 2008, S.330)
 

Die Wiederbelebung von Operation Northwoods

Mit der Freigabe im Jahr 1998 wurden die OPN-Dokumente und ihr Hintergrund ausführlich thematisiert. Ein Teil der Publikationen:

1998 CNN TV-Dokumentation ‘Cold War’ (Quelle)
1998 NSA Archiv Online (Quelle)
1999 Jon Elliston: Psywar on Cuba - The Declassified History of U.S. Anti-Castro Propaganda
April 2001 James Bamford: Body of Secrets
Mai 2001 ABC News
July 2001 Insight on the News

Unter den vielfältigen Provokations-Maßnahmen weckte insbesondere ein Szenario vor dem Hintergrund des 11. September 2001 in bestimmten Kreisen lautstarke Assoziationen:
8. It is possible to create an incident which will demonstrate convincingly that a Cuban aircraft has attacked and shot down a chartered civil airliner enroute from the United States to Jamaica, Guatemala, Panama or Venezuela. The destination would be chosen only to cause the flight plan route to cross Cuba.
The passengers could be a group of college students off on a holiday or any grouping of persons with a common interest to support chartering a non-scheduled flight.
   a.  An aircraft at Englin AFB would be painted and numbered as an exact duplicate for a civil registered aircraft belonging to a CIA propietary organization in the Miami area. At a designated time the duplicate would be substituted for the actual civil aircraft and would be loaded with the selected passengers, all boarded under carefully prepared aliases. The actual registered aircraft would be converted to a drone.
   b.  Take off times of the drone aircraft and the actual aircraft will be scheduled to allow a rendevous south of Florida. From the rendezvouz point the passenger-carrying aircraft will descend to minimum altitude and go directly into an auxiliary field at Englin AFB where arrangements will have been made to evacuate the passengers and return the aircraft to its original status. The drone aircraft meanwhile will continue to fly the filed flight plan. When over Cuba the drone will being transmitting on the international distress frequency a ‘MAY DAY’ message stating he is under attack by Cuban MIG aircraft. The transmission will be interrupted by destruction of the aircraft which will be triggered by radio signal. This will allow ICAO radio stations in the Western Hemisphere to tell the US what has happened to the aircraft instead of the US trying to “sell” the incident.
(Quelle, S. 10)

Einen Zusammenhang mit ‘9/11’ kann an dieser Stelle natürlich nur erkennen, wer von einem Austausch oder der Fernsteuerung der Passagiermaschinen von UNITED AIRLINES und AMERICAN AIRLINES ausgeht.
Beide Annahmen beruhen wiederum auf Spekulationen und der Negierung widersprechender Aspekte (z.B. zahlreiche Telefonate aus allen vier Maschinen, CVR-Aufzeichnungen [UA93] bzw. FDR-Daten [AA77]).

Die Argumentation, die einen Zusammenhang von ‘Operation Northwoods’ und ‘9/11’ vermutet, folgt damit einem sogenannten Zirkelschluss.

Darüberhinaus lässt sich ein Zusammenhang mit ‘9/11’ nur herstellen, wenn man der militärischen und politischen Führung eines demokratischen Staates ein Maß an Skrupellosigkeit unterstellt, das jede bisherige Kategorie sprengt.
Trotz aller berechtigten Empörung über die damaligen Militärs könnten die ‘false flag’-Anteile von ‘Operation Northwoods’ mit der entsprechenden Intention daher auch gegen ‘InsideJob’-Theorien angeführt werden, denn selbst für radikale Militärs in einer Krisensituation war es anscheinend undenkbar, einen Anschlag auf die eigene Bevölkerung zu verantworten, von der Dimension der Opferzahlen ganz zu schweigen.
Einen Schritt weiter gedacht lässt sich problemlos skizzieren, wie die Adaption von ‘Operation Northwoods’ ausgesehen hätte, um in Afghanistan einmarschieren zu können. Jegliche Provokation hätte weit entfernt vom amerikanischen Heimatboden fabriziert werden können.

Sicherlich existieren in der Historie diverse Zwischenfälle, Anschläge, Anschuldigungen, die  
- vorgetäuscht,
- provoziert,
- propagandistisch bearbeitet und/oder
- instrumentalisiert wurden.

Wer hieraus schlussfolgert, daß ‘9/11’ ebenfalls in eine dieser Kategorien fällt, folgt der oftmals irreführenden Non sequitur-Logik - Kann zutreffen, muss aber keineswegs zutreffen.
Zudem unterbleibt oftmals die notwendige Differenzierung. Ein vorgetäuschter Anschlag beinhaltet völlig andere Prämissen und Konsequenzen als ein instrumentalisierter oder provozierter Anschlag.
Alle bekannten ‘false flag Operationen’ unterscheiden sich nicht ganz zufällig in der Komplexität und Zielrichtung von der spekulierten ‘false flag Operation 9/11’ in gravierender Form. Das könnte als weiteres Argument gegen einige Varianten der ‘Inside job’-Thesen gewertet werden.  

Aber auch die größten echten Komplotte werden niemals so gewaltig wie ihre erdachten Gegenstücke. (Quelle)

Abseits der Interpretationsmöglichkeiten gibt es ein weiteres Problem mit der ‘Blaupause’-Spekulation: Es wird über die Bedeutung eines ‘Geheimdokumentes’ spekuliert, das bereits drei Jahre vor ‘9/11’ öffentlich verfügbar war und Monate vor den Anschlägen nochmals in einem international veröffentlichten Buch ausführlich beschrieben wurde.

Angesichts dieser Zeitabfolge lassen sich manch erstaunlich kreative Formulierungen finden. Stellvertretend hierfür ein Artikel aus dem Jahre 2006 und dessen Umschreibung für die 1998 freigegebenen Dokumente:
Da trifft es sich, dass jüngst die Sperrfrist für ein einstmals mit dem Geheimhaltungsvermerk "TOP SECRET" versehenes Memorandum des Pentagon für eine unter dem Decknamen Northwoods geplante Operation abgelaufen ist. (Quelle, Hervorhebung von mir)

Einen irrwitzigen TV-Auftritt hatte in diesem Zusammenhang der unvermeidbare Alex Jones in einem CNN-Interview:
And bottom line, there are declassified U.S. government documents like Operation Northwoods that ABC News reported on back in 2000. Operation Northwoods. Google it. (Quelle)

“Google it”?

Ein bemerkenswert einfältiger Hinweis in einem Interview mit dem TV-Sender, der für die Publikation der Dokumente verantwortlich war. (Quelle, Quelle)

Angesichts der Öffentlichkeit der Planspiele stellt sich eine naheliegende Frage:
Welcher Täter vollführt eine Tat nach einem selbst entworfenem Strickmuster, wenn Aussenstehende diesen Plan bereits vor der Tat kannten und somit die Spur absehbar zum Urheber führt?

Warum aber wurde der Masterplan ausgerechnet vor seiner Ausführung veröffentlicht? Die naheliegende Frage stellt Wisnewski nicht. (Quelle)

Der hier angesprochene Gerhard Wisnewski bezieht sich in seinen Büchern mehrmals und ausführlich auf ‘Operation Northwoods’. In einem Interview aus dem Jahre 2006 nimmt er zu diesem Einwand Stellung:
Interviewer: So ähnlich ist das auch mit der „Operation Northwoods“, die von vielen „Verschwörungstheoretikern“ als Parallele zum 11.9. zitiert wird. Die ist in den sonstigen Medien einfach nicht existent.
Gerhard Wisnewski: Das wird als komplette Spinnerei abgetan. Aber wenn man sich das Papier mal genau durchliest, dann sieht man: das ist quasi das „Blue-Print" für diese Operation. Das hat man natürlich ein bisschen angepasst, aber man hat geschaut, was man denn so in der Schublade hat und hat eben diesen Generalstabsplan herausgezogen. Dagegen wird dann oft eingewendet, das sei doch Blödsinn, weil das Papier schließlich offen sei. Aber da kommen wir wieder zu dem vorher Gesagten: Offen ist ein relativer Begriff; in diesem Falle ist nichts offen.
(Quelle)

Wie beschreibt Wisnewski den Begriff ‘offen’ in diesem Zusammenhang?
Es ist eine beliebte Geheimdienst-Taktik, Dinge „offen“ zu legen, es gibt irgendwann einen winzigen Artikel in der Zeitung, den alle übersehen; das ist, als würden Sie in einem ganz vollen Zimmer irgendwas auf das Fensterbrett legen, das sieht kein Mensch. (Quelle)

Wie sehen in diesem Fall die “winzigen Artikel” aus?
Eine Auswahl:

1998 CNN TV-Dokumentation ‘Cold War’ (Quelle)
1998 NSA Archiv Online (Quelle)
1999 Jon Elliston: Psywar on Cuba - The Declassified History of U.S. Anti-Castro Propaganda
April 2001 James Bamford: Body of Secrets
Mai 2001 ABC News
July 2001 Insight on the News

Das Dokument war also fraglos “offen”, wenngleich dies natürlich vorwiegend von interessierten Kreisen wahrgenommen wurde.
Überspitzt könnte man formulieren, daß die durch diverse Medien öffentlich verfügbaren ‘Blue-Prints’ potentiell als Inspiration für jeden beliebigen Feind der US-Amerikaner gedient haben könnten.
Vielleicht hat aber doch die militärische US-Führung “ein bisschen angepasst [...] geschaut, was man denn so in der Schublade hat und eben diesen Generalstabsplan herausgezogen.” ?

Demnach wäre eine 40 Jahre alte Idee “ein bisschen angepasst” worden, um daraus einen der kompliziertesten und fehlerträchtigsten Plots zu konstruieren, der denkbar ist.
Eine derartig skrupellose Verschwörerbande hätte stattdessen z.B. an drei oder vier exponierten Orten in den USA Anschläge durchführen können mit einem Giftgas, das bereits im Irak zum Einsatz kam.
Minimale Logistik, nur eine Handvoll Mitwisser, minimierte Fehlerquellen und direkte Verbindung zum eigentlichen Zielobjekt Saddam Hussein und dem Irak - oder kann sich jemand an einen einzigen irakischen Hijacker-Piloten erinnern?

Nein, in zentraler Funktion standen saudi-arabische Täter und Hintermänner - ein gewaltiges Problem für die essentielle Abhängigkeit und Beziehung beider Staaten:
Saudi-Arabien entwickelt sich zu einem atemberaubend irrationalen Staat - zu einem Land, das globalen Terrorismus hervorbringt, während es gleichzeitig einem uralten und tief verwurzelten Isolationismus erliegt, und das von einer Königsfamilie gelenkt wird, die sich von ihrer Habgier nicht zu befreien vermag. Wollen wir wirklich, daß dieses Land der Dreh-und Angelpunkt der Weltwirtschaft ist? (Robert Baer: Die Saudi Connection, 2004, S. 227f)
 

Operation Bojinka

Während die über 40 Jahre alte ‘Operation Northwoods’ in den Überlegungen von VT-Protagonisten eine dominierende Rolle spielt, wird ‘Operation Bojinka’ aus den 1990iger Jahren als potentielle ‘Vorlage’ weitgehend ignoriert.
Dieser Plan umfasste die koordinierte Sprengung mehrerer Passagiermaschinen auf dem Weg in die USA sowie den Angriff auf das CIA-Hauptquartier mit einer sprengstoffbeladenen Cessna und stammten u.a. von Khalid Sheik Mohammed, einem mutmasslichen ‘Mastermind’ des Anschlages von 2001 (Quelle).

In beiden Büchern von Gerhard Wisnewski (Operation 9/11 und Mythos 9/11) wird insgesamt siebenmal im Register auf ‘Operation Northwoods’ verwiesen - Verweise auf ‘Operation Bojinka’ fehlen hingegen völlig.

Eine Idee, warum diese potentiellen ‘Blue Prints’ von ‘Verschwörungstheoretikern’ weitgehend ignoriert werden?
 

Tunnelvis-X04

Quelle

blackbalken1