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Welche Momentaufnahme propagieren die Protagonisten des ‘Truth Movement’ - und warum wohl? Und wieviele konkrete Beispiele braucht es, um die fragwürdige Methodik des Zweifelns zu erkennen?
Nur anhand möglichst vollständiger und qualitativ akzeptabler Aufnahmen sollte die Ähnlichkeit der gezeigte OBL mit den gängigen Aufnahmen verglichen und beurteilt werden. Daraus leitet sich die Schlussfolgerung über den Wert der weitverbreiteten VT-Behauptungen ab.
MOSAIK911 hat sein Urteil mit Hilfe dieser Aufnahmen gebildet (die Aufnahmen aus dem Video umfassen insgesamt ca. 30 Minuten).
Anhand dieses VT-‘Klassikers’ lassen sich drei Aspekte exemplarisch festhalten:
1. Die Bilder können mieseste Qualität haben - im ‘Truth Movement’ wird nahezu alles unkritisch akzeptiert und wiedergekäut, wenn es gegen den Mainstream gerichtet ist.
2. Ob jemand zwei Professorentitel trägt, Radiomoderator ist oder irgendwann mal irgendeine Funktion in irgendeiner Regierung innehatte spielt bei der Argumentation eine untergeordnete Rolle - die zentralen Protagonisten stützen ihre Behauptungen immer wieder auf billigste Manipulationen und die allgegenwärtige Abschreibementalität.
3. Unhaltbare Behauptungen müssen nur oft genug wiederholt werden, um zum Faktum zu mutieren. Das ‘Faktum’ wird dann auf andere ‘Indizien’ übertragen. Die Watson-Brüder (Prisonplanet, Infowars, Propagandamatrix) nutzen diese Methode seit Jahren mit entsprechender Wirkung: The last time Bin Laden specifically "confessed" to having planned the 9/11 attacks was in a video that was later declared to be a total fake. (Watson&Watson, Infowars, 29.11.2007)
Wer anhand welcher Methoden dieses Video als ‘Fake’ deklariert hat, ist oben ausführlich dokumentiert. Die Watson-Brüder stehen an vorderster Front der Desinformations-Szene - nicht das erste und nicht das letzte Mal. Daher darf auch einer der umtriebigsten Propagandisten der VT-Szene die absurde Situation unfreiwillig treffend charakterisieren: The tape shows an overweight individual with a fat nose posing as bin Laden. Are we this stupid? Are the American people this dumb? (Paul Joseph Watson, Propagandamatrix, 28.02.2006)
Ein kleiner Teil der amerikanischen Bevölkerung scheint tatsächlich so dumm zu sein, die Legende vom fetten Doppelgänger-OBL zu glauben - inszeniert, propagiert und kultiviert von PRISONPLANET & Co.
Dieser Teil der Bevölkerung konzentriert sich im ‘Truth Movement’.
An dieser Stelle endet zunächst die Analyse der ‘Truthseeker’-Legende vom ‘gefakten’ OBL-Video.
MOSAIK911 beurteilt an dieser Stelle nicht die Authentizität späterer Videobotschaften, die OBL zugeschrieben werden. An dieser Stelle geht es ausschliesslich um dieses Video vom November 2001. Die Authentizität dieses Video kann weiterhin bezweifeln wer will. Nur eines steht fest: Die Indizien des weltweiten ‘Truth Movement’ für diesen Zweifel sind desaströs einfältig gewählt.
Der mißverstandene Scheich
Abseits der dominierenden ‘Truthseeker’-Behauptungen existieren Zweifel an der korrekten Übersetzung der OBL-Äußerungen und bilden möglicherweise berechtigte Kritikpunkte.
Am 20.12.2001 - eine Woche nach der Veröffentlichung des umstrittenen Videobandes - brachte das WDR-Magazin MONITOR einen kritischen Beitrag zu diesem Thema: Bin-Laden-Video: Falschübersetzung als Beweismittel?
Der MONITOR-Beitrag erwähnt mit keiner einzigen Silbe den spektakulären Doppelgänger-Verdacht. MONITOR beschäftigt sich stattdessen mit einer naheliegenden und realistischen Manipulationsmöglichkeit - dem transkribierten Text.
Konsultiert wurden drei Experten: - Dr. Abdel El M. Husseini, Arabist - Dr. Murad Alami, Diplom-Übersetzer - Prof. Gernot Rotter, Islamwissenschaftler und Arabist, Uni Hamburg
Sie stellen entscheidende Textpassagen in Frage:
Beispiel 1: UBL: (...Inaudible...) we calculated in advance the number of casualties from the enemy,
Der MONITOR-Experte hierzu: Dr. Murad Alami, Diplom-Übersetzer: "'Im Voraus' steht nicht drin. Es ist falsch. Wenn man von der Originalfassung des Arabischen ausgeht, und es gibt keine Missverständnisse, das man das im Grunde nicht verstehen kann." (Quelle)
Demnach wäre ein Zeitbezug, der eindeutiges Vorwissen belegen würde, manipulativ eingefügt worden.
Beispiel 2: We had notification since the previous Thursday that the event would take place that day.
Der MONITOR-Experte hierzu: Dr. Murad Alami, Diplom-Übersetzer: "'Vorhergehend' existiert nicht. Der Nachsatz, dass dieses Ereignis an dem Tag beziehungsweise an diesem Tag stattfinden würde, ist in dieser arabischen Originalfassung nicht herauszuhören." (Quelle)
Dieses Beispiel ist wenig überzeugend, denn auch die Aussage “Wir hatten seit Donnerstag Kenntnis davon” könnte als Vorwissen interpretiert werden - die Anschläge fanden an einem Dienstag statt.
Wesentlich wichtiger ist das dritte Beispiel, in dem es um die direkte Verantwortung des OBL geht:
UBL: [...] and we asked each of them to go to America [...] UBL: [...] and we did not reveal the operation to them [...]
Der MONITOR-Experte hierzu: Dr. Murad Alami, Diplom-Übersetzer: "Diese Übersetzung mit 'wir' ist falsch.' Es wurde von ihnen verlangt', heißt es in der arabischen Originalfassung, die ich gehört habe. Was danach kommt, an Satz beziehungsweise Nachsatz ist unverständlich."
Einige Jahre nach diesen schwerwiegenden Vorwürfen wurde im Prozess gegen Zacarias Moussaoui ein Teil des umstrittenen Videos als Beweismittel eingebracht. Das Transkript hierzu bestätigt die Behauptung des Dr. Mourad Alami:
UBL: They were asked to go to the United States [...] (S.6)
UBL: They were not told about things there [...] (S.7)
Von “we” ist nun nicht mehr die Rede.
Auf einer Info-Seite der US-Regierung aus den Jahren 2005/2006 findet sich hingegen noch immer die “we”-Version aus dem Transkript vom Dezember 2001.
Erstaunlicherweise wurde die gravierend wirkende Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen ‘Geständnis’-Transkript und dem Transkript aus dem Prozess bislang von niemandem thematisiert.
Abschliessend sei festgehalten, daß MOSAIK911 aus den fragwürdigen Aspekten heraus die Schlussfolgerung von Prof. Gernot Rotter teilt: Unabhängig davon, ob Bin Laden selbst, organisatorisch, aktiv in die Anschläge verwickelt war oder nicht: Dieses Band ist von einer so schlechten Qualität, dass es streckenweise überhaupt nicht zu verstehen ist. Und das, was zu verstehen ist, oft aus dem Zusammenhang gerissen ist, dass man daraus kein Beweismittel konstruieren kann. Die amerikanischen Übersetzer, die die Bänder abgehört haben und transkribiert haben, haben offensichtlich an vielen Stellen Dinge hinein geschrieben, die sie hören wollten, die aber so - auch nach mehrmaligen anhören, nicht zu hören sind." (Quelle)
Totalversagen des ‘Truth Movements’
Das Mainstreammedium MONITOR deckt innerhalb einer Woche den Schwachpunkt des angeblichen ‘Geständnis’-Videos auf. Die Nähe des mitverantwortlichen Ekkehard Sieker zu Gerhard Wisnewski ist in diesem Fall nicht von Relevanz.
Und die ‘Truthseeker’-Szene, die sich dem Mainstream überlegen fühlt?
Sie produziert Storys über Goldringe, Rechtshänder und fette Nasen - über Jahre hinweg immer wieder voneinander abschreibend. Die Watson-Brüder begannen im Jahr 2006, mit einem der vielen sich penetrant wiederholenden Textbausteine auch die manipulative Übersetzung zu erwähnen: The video was also mistranslated in order to manipulate viewer opinion [...] ( Prisonplanet, 20.01.2006, Infowars, 03.10.2006, Infowars, 19.02.2007, Infowars, 29.11.2007)
Verlinkt wird hierbei ein Artikel von dc.indymedia.org vom Dezember 2001, der seinerseits nur die Informationen von MONITOR verwertet und auf Artikel wie vom SPIEGEL hinweist - Mainstreammedien, die normalerweise verleumdet werden.
Warum wird die Text-Manipulation, die seit dem 20.12.2001 dokumentiert ist - und im Moussaoui-Prozess anscheinend unbemerkt revidiert wurde - im ‘Truth Movement’ nur sekundär erwähnt?
- Sie wurde von einem ‘gleichgeschalteten’ Mainstreammedium publiziert
- Sie ist zu unspektakulär für die Zielgruppe. Hollywood-Szenarien mit CIA-Doppelgängern klingen aufregender. Viele VT-Protagonisten sind offensichtlich nachhaltig von Hollywood-Fantasie geprägt.
- Sie bringt die CIA-Doppelgänger-Protagonisten in Erklärungsnot. Wenn die CIA ihren ‘Angestellten’ in einem ‘Auftragswerk’ filmt, müssen die Dialoge nicht im Sinne der CIA nachträglich manipuliert werden.
Fazit:
Das ‘Confession Tape’ vom Dezember 2001 ist zu recht umstritten. Die Videoaufnahmen dokumentieren, wie Osama Bin Laden als Profiteur, Sympathisant und moralischer Unterstützer der Anschläge vom 11. September 2001 auftritt.
Anhand der umstrittenen Übersetzungen bleibt fraglich, ob in diesem Video wirklich Vorwissen seitens OBL zugegeben wurde. Aber auch Vorwissen bedeutet nicht notwendigerweise direkte Verantwortung. Diese ergibt sich jedoch ebenfalls nicht eindeutig aus dem übersetzten Text - unter Berücksichtigung des juristisch verwendeten Transkripts.
Der Text scheint demnach im Dezember 2001 von der US-Regierung in irreführender Form präsentiert worden zu sein. Die beabsichtigte Wirkung wurde erreicht.
Im Oktober 2001 begann der Afghanistan-Feldzug. Der nachträgliche Rechtfertigungsversuch gelingt nach Auffassung von MOSAIK911 mit diesem ‘Geständnis’-Video nicht - unabhängig von der Frage, ob und wie weit Bin Laden organisatorisch tatsächlich in die Anschläge verwickelt war.
Das tösende ‘Truth Movement’ lenkt auch in diesem Fall mit absurden Konstrukten und haufenweise Info-Müll wieder einmal von einem berechtigten Kritikpunkt ab.
Nachtrag, 28.03.2010
Oben sind die OBL-Doppelgänger-‘Indizien’ ausführlich und überprüfbar widerlegt. Der Theologie-Professor David Ray Griffin ist angeblich der beste aller ‘Truthseeker’: Professor David Ray Griffin ist der seriöseste, renommierteste und beste Repräsentant der 9/11 Wahrheitsbewegung. (Schall&Rauch-Blog, 09.09.2009, siehe auch hier)
Was propagiert dieser umjubelte Theoretiker noch im Oktober 2009?
But in the "Jalalabad video," which was reportedly made at about the same time (being dated November 9 and released December 13), the bin Laden figure was heavier and also darker, in both skin and beard color; his nose had a different shape and his hands were shorter and heavier than those of Osama bin Laden as seen in undoubtedly authentic videos. Still another problem is that, whereas bin Laden was left-handed, the man in the "Jalalabad video" wrote with his right hand. Although it might be thought that this was because his left arm was immobile, the bin Laden figure in this video was easily able to lift his left arm above his head. If this video was made on November 9, as claimed, then it would have been made at most only a few weeks before the post-November 16 video. It is very hard to believe that the heavy, dark-skinned, healthy-looking man with a dark beard could have, within two or three weeks, turned into the pale, gaunt, white-bearded, man seen in the post-November 16 video. (Veteranstoday.com, 30.10.2009, siehe auch World911truth.org, 02.11.2009)
Ein weiteres Musterbeispiel, wie mit falschen Prämissen ‘Unstimmigkeiten’ konstruiert werden - und über Jahre kultiviert werden.
Nachtrag, 31.08.2010
PRISONPLANET bzw. INFOKRIEG im Mai 2010: Steckte eine Truppe CIA-Funktionäre "mit dunklerer Haut" hinter dem berüchtigten Bin Laden Video vom Dezember 2001, das angeblich in einem Haus in Dschalabad gefunden wurde nachdem Anti-Taliban-Streitkräfte vorgerückt waren? Auf der Aufnahme sah man einen übergewichtigen Bin Laden mit dicker Nase der darüber lacht und Witze reißt, wie er 9/11 ausgeführt hätte. Die Übersetzung war ebenfalls fehlerhaft um die Meinung des Publikums zu manipulieren. Der "Bin Laden" im Video überhäufte zwei der Flugzeugentführer mit Lobpreisungen, nannte jedoch nicht deren korrekte Namen. Er benutze die falsche Hand zum Schreiben und trug Goldringe, was im muslimischen Glauben völlig tabu ist. Trotz der fehlenden Ähnlichkeit zum echten Bin Laden erklärte die CIA das Band zum offiziellen "9/11-Geständnisvideo". (Quelle, 25.05.2010, Hervorhebungen von MOSAIK911, PP-Artikel)
Systematische Unbelehrbarkeit.
Wenige Monate später dann folgendes: Der Infokrieger Benesch produziert eine weitere Übersetzung eines PP-Artikels u.a. wieder mit diesem Textbaustein: Auf der Aufnahme sah man einen übergewichtigen Bin Laden mit dicker Nase der darüber lacht und Witze reißt, wie er 9/11 ausgeführt hätte. Die Übersetzung war ebenfalls fehlerhaft um die Meinung des Publikums zu manipulieren. Der “Bin Laden” im Video überhäufte zwei der Flugzeugentführer mit Lobpreisungen, nannte jedoch nicht deren korrekte Namen. Er benutze die falsche Hand zum Schreiben und trug Goldringe, was im muslimischen Glauben völlig tabu ist. Trotz der fehlenden Ähnlichkeit zum echten Bin Laden erklärte die CIA das Band zum offiziellen “9/11-Geständnisvideo”.
Ein Blick in die ‘übersetzte’ Quelle erstaunt - der ‘übersetzte’ Textbaustein ist nicht enthalten.
Ein Anzeichen von Lernfähigkeit seitens PP-Watson?
Nein, vielmehr eine ‘kreative’ Übersetzungsleistung des Infokriegers Benesch, der mal eben den Artikel vom 25.05.2010 von Steve Watson nochmals recycelt und als Teil des Paul Joseph Watson Artikels vom 28.08.2010 verkauft.
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