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Zufällig Westen

American Airlines 77 traf die Westseite des Pentagons. Im Rahmen eines langjährigen Renovierungsprogrammes wurde die Aussenmauer dieses Gebäudeflügels inclusive der Fenster erst wenige Monate vor dem Attentat gegen mögliche Bombenanschläge verstärkt. Im nördlichen Teil des Westflügels fanden zu diesem Zeitpunkt die Renovierungsarbeiten statt (Quelle).
Daher befanden sich zum Zeitpunkt des Anschlages in diesem Trakt relativ wenige Pentagon-Mitarbeiter. Zudem verdanken wahrscheinlich einige anwesende Mitarbeiter den baulichen Verbesserungen ihr Leben. Neben den 64 Opfern von Flug AA 77 starben 125 Menschen im Pentagon. Angesichts der knapp 23.000 Mitarbeiter im gesamten Gebäude eine vergleichsweise geringe Zahl.

Wurde diese Gebäudeseite also gezielt ‘ausgewählt’, um die Opferzahlen so gering wie möglich zu halten?

Oder handelte es sich um einen glücklichen Zufall?

Die Zufallsthese wird von Zweiflern mit einer Konstruktion ‘widerlegt’, die zunächst einleuchtend erscheint
Es ist Zufall, dass der Entführer von Flug 77 nicht den kürzesten Weg in den Pentagon wählte, und die Seite traf wo die gesamte Militärspitze, einschliesslich Verteidigungsminister Rumsfeld sass, sondern einen grossen Umweg über ganz Washington machte, um ausgerechnet in die Seite des Pentagon zu krachen, in dem die wenigsten Leute sich befanden, weil dieser Teil gerade renoviert und gegen Angriffe verstärkt wurde. (SchallundRauch, August 2008)

Diese Version ist auf Steve Koeppel zurückzuführen, der nach eigenen Angaben Luftwaffenpilot sein soll. Seine ‘Flight Path Analyse’ wird seit 2003 von The Power Hour propagiert - verantwortlich für diese Radioproduktion ist Dave von Kleist, Produzent von IN PLANE SITE.
  

Attack Path

Quelle, übernommen z.B. in ‘Operation 9/11’ (Wisnewski, Knaur, 2003, S. 149 siehe hier)

Koeppel macht bei seinem Rekonstruktionsversuch jedoch einen gravierenden Fehler: Er übersieht den entscheidenden Hinweis bzgl. der Anflugrichtung, der sich aus den offiziellen Unterlagen bzw. den Flugcontroller-Angaben ergibt:
At 9:29, the autopilot on American Airlines 77 was disengaged; the aircraft was at 7.000 feet and approximately 38 miles west of the Pentagon. At 9:32, controllers at the Dulles Terminal Radar Approach Control onserved a primary radar target tracking eastbound at a high rate of speed. This was later determined to have been Flight 77. At 9:34, Ronald Reagan Washington National Airport advised the Secret Service of an unknown aircraft heading in the direction of the White House. American 77 was then 5 miles west-southwest of the Pentagon and began a 330-degree turn. At the end of the turn, it was descending through 2.200 feet, pointed toward the Pentagon and downtown Washington. The hijacker pilot then advanced the throttles to maximum power and dove toward the Pentagon.
(60. See FAA report,“Summary of Air Traffic Hijack Events: September 11, 2001,”Sept. 17, 2001;NTSB report, “Flight Path Study—American Airlines Flight 77,” Feb. 19, 2002; FAA report,“Report of Aircraft Accident,”Nov.13, 2001. (9/11 Commission Report, S. 9 , Quelle, Hervorhebungen von mir)

American Airlines 77 began turning south, away from the White House, at 9:34. It continued heading south for roughly a minute, before turning west and beginning to circle back. (9/11 Commission Report, S. 39)

Das Flugobjekt kam demzufolge aus westlicher Richtung, drehte wenige Kilometer vor dem Weissen Haus (und knapp vier Minuten vor dem Impact) Richtung Süden ab und vollendet südwestlich vom Pentagon die Schleife. Dieses Manövers umfasste ca. 330 Grad.

Im August 2006 wurden aufgrund von FOIPA-Anfragen detaillierte Unterlagen der National Transportation Safety Board (NTSB) veröffentlicht. (Quelle bzw. NTSB).
Der Flug von American Airlines 77 wurde anhand der Daten des Flugdatenschreibers und Radar-Daten der FAA rekonstruiert:

8:20 Abflug vom Flughafen Dulles in Washington 
8:46 Reiseflughöhe 35.000 Fuß erreicht
8:51 Letzter Routine-Funkverkehr mit AA 77
8:55 Kursänderung nach Süden
8:56 Transpondersignal deaktiviert
8:56 FAA Indianapolis Kontrollcenter versucht AA 77 ohne Erfolg zu kontaktieren
9:00 Flug AA 77 wechselt Kurs Richtung Osten und beginnt den Sinkflug
9:07 Flughöhe bei 25.000 Fuß, leichte Kurskorrektor Richtung Ost/Nordost
9:08 Autopilot für drei Minuten deaktiviert, Flughöhe bis 22.000 Feet reduziert
9:11 Autopilot aktiviert, Flughöhe etwa wieder bei 25.000 Fuß
9:22 Erneuter Sinkflug
9:29 Autopilot deaktiviert, 35 Meilen westlich des Pentagons, Flughöhe etwa bei 7000 Fuß (schwankt danach zwischen 6800 bis 8000 Fuß)
9:34 Maschine befindet sich 3,5 Meilen westlich/südwestlich des Pentagons, beginnt die 330 Grad Schleife. Am Ende dieser Schleife hatte die Maschine eine Höhe von 2000 Fuß und war noch vier Meilen südwestlich vom Pentagon entfernt.
In den letzten 30 Sekunden dieses finalen geradlinigen Anfluges wird die Maschine im kontinuierlichen Sinkflug auf Maximum beschleunigt und schlägt mit ca. 530 mph ins das Gebäude ein

Das Höhenprofil und die Visualisierung des kompletten Anfluges:
 

Flight AA 77 - Höhenprofil
AA77_flight_path03

PDF-Quelle

Das sind die dokumentierten Fakten.

Es bleiben die Spekulationen zum Hintergrund der 330 Grad-Schleife.

Der entscheidende Aspekt bleibt jedoch folgender: Das Flugobjekt kommt ursprünglich aus westlicher Richtung und hätte daher die Westseite auf direktem Weg treffen können - ohne überflüssige und zeitraubende Schleife.

Genau das geschah jedoch nicht.

Die Westseite des Pentagons als Zielpunkt ergibt sich zwangsläufig aus dem kompletten Ablauf der dokumentierten Flugroute von American Airlines 77.
 

flightpath-aa77-simple0403

9/11 Commission Report, S. 33

Demnach wurde die Westseite unter Berücksichtigung dieser Prämissen nicht zufällig, sondern folgerichtig getroffen - der Sachverhalt ist insgesamt plausibel.

Ob diese Gebäudeseite gezielt getroffen wurde (also ‘ausgewählt’ wurde), bleibt völlig spekulativ.
Unzutreffende Darstellungen des Sachverhaltes (siehe auch Koeppel-Grafik eingangs dieser Seite) haben dazu beigetragen, diese Spekulationen anzuheizen:
Mit Verwunderung nimmt Judge zur Kenntnis, daß die Entführer extra von ihrem geraden Weg abwichen und einen großen Bogen flogen, um diesen Teil des Gebäudes zu treffen: “Nichts stand ihnen im Wege, um irgendeine andere Seite zu treffen. (Wisnewski, Operation 9/11, S. 148)

Was steht diesen Protagonisten im Wege, die Prämissen ihres Irrglauben zu korrigieren?

Am Theologieprofessor David Ray Griffin lässt sich erkennen, wie faktenresistent prominente ‘9/11 Scholars’ auch nach Jahren agieren:
Another fact, in doing that loop he [Hani Hanjour] came in and hit wedge 1. Why would anyone go out of their way to hit wedge 1? It was the place that had been reinforced, so less damage was done than hitting any other part of the Pentagon. Also the renovation wasn't finished so people hadn't gone back to their offices. Many more people would have been killed striking anywhere else. (Alex Asary exclusive interview of Dr. David Ray Griffin May 21, 2007, Minute 35:00)

Im gleichen Jahr veröffentlichte Griffin ein Buch mit dem vollmundigen Titel ‘Debunking 9/11 Debunkers’. Wieder propagiert Griffin die längst ‘debunkte’ Falschdarstellung:
[...] the implausibility of the idea that Hanjour, even if he had been capable of this maneuver, would have gone out of his way to hit the Pentagon’s west side, given the fact that Rumsfeld and the top brass were in the east side (Debunking the Debunkers 2007, S. 99)

Die angebliche Unwahrscheinlichkeit ist das Produkt einer falschen Prämisse.

Auch Andreas Hauß gehört in die Riege der Desinformanten, zuletzt im Film Unter falscher Flagge zu sehen:  
Also während Rumsfeld, Wolfowitz und Senator Cox unglaublich wichtige Sachen besprechen, nähert sich ihnen die American Airlines 77. Anstatt sich jetzt direkt in dieses Gebäude rein zustürzen, wo der Verteidigungsminister gerade frühstückt, macht dieser unglaublich schlechte Pilot, die unglaublich gute Flugleistung, über das Pentagon rüber zufliegen, mit 270 grad Kurve zu fliegen, dann mitten durch Hochhäuser hindurch, flachgehalten über dem Boden in den zweiten Stock des Pentagon hinein. (22:20-23:10)

Die Hauß-Darstellung beinhaltet die Lieblingslegende dieser ‘Zweifler’: 
Das Büro von Verteidigungsminister Rumsfeld - Raum 3E880 - befindet sich im Nord-Ost-Bereich des 117.000 qm großen Bürogebäudes, also gegenüber des Einschlagbereiches

 

pentagonimpact.officerumsfeldjpg

Verschwörungstheoretiker’ suggerieren, die Terroristen haben das Büro von Rumsfeld ‘weiträumig umflogen’.

Und warum?

Weil diese Protagonisten auch nach Jahren noch immer glauben, daß die Passagiermaschine aus nördlicher Richtung kam.

Und todsicher beklagen sich genau diese Protagonisten bei jeder Gelegenheit über die Bezeichnung ‘Verschwörungstheoretiker’.
Eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie ohne Fakten. Das ist ja auch das, was man den angeblichen Verschwörungstheoretikern vorwirft. Das was wir machen, nicht nur ich auch andere Autoren, das sind Theorien mit Fakten. Also, wir argumentieren ganz sachlich, auch mit wissenschaftlichen Untersuchungen, mit vielen Quellen. Daher sind wir ganz klar keine Verschwörungstheoretiker. (siehe hier)

 

Verstärkt, verdrängt, verrückt?

“Rumsfeld schonen” oder “Menschenleben schonen” stellen die gängigen Spekulationen des ‘Truth Movements’ dar.
Der Vorsitzende der einst hochgejubelten Scholars for 9/11 Truth ist der Philosophie-Professor James Fetzer. Er wird inzwischen von Teilen des ‘Truth Movements’ eher gemieden und vertritt eine bemerkenswerte Variante
The West Wing was a peculiar choice for a terrorist attack, since it was in the final stages of reconstruction and was largely bereft of personnel and records. But one team that occupied that space was a group of accountants, auditors, and budget experts who were, I would surmise, attempting to track that missing $2.3 trillion. The impact of the plane could not be guaranteed to kill them. Sending a missile would take them by surprise and could be more carefully targeted. So maybe there is a rational explanation, after all. (Quelle)

Demzufolge wurde die Westseite per Rakete attackiert, weil bestimmte Personen eliminiert werden sollten.

Der Logiksalto, der das Dilemma der unzähligen Truth-Protagonisten und ihre austauschbaren Spekulationen verdeutlicht:
Die Westseite wurde gegen Bombenanschläge aufgerüstet, um zur Todesfalle für Buchprüfer zu werden, die wenige Monate zuvor extra eingestellt wurden.
Eine Rakete wurde eingesetzt und die American Airlines 77 inclusive Passagiere irgendwie, irgendwo, irgendwann ‘entsorgt’.
Vielleicht wurde American Airlines 77 auch irgendwie, irgendwann, irgendwo per Fernsteuerung übernommen.
Vielleicht waren auch die angeblichen Hijacker an Bord und wurden per CIA-Gehirnwäsche dazu gezwungen, die Gebäude-Westseite zu attackieren.

Es gibt nur ein Szenario, gegen das sich diesen wirren widersprechenden Protagonisten verschworen haben: Die gängige, schlüssige ‘offizielle’ Version.

Verschwörungstheoretiker? Gibts hier nicht.
 

Nachtrag, 22.03.2009

Das Dilemma ewiggestriger ‘Zweifler’ konzentriert sich in einer deutschen ‘911Research’-Site, die unter der Überschrift ‘Beispiele unbeantworteter Fragen’ u.a. noch immer folgendes fragt - mit Bezug auf eine längst widerlegte Anflugkurve:
 

911research-kurvengrafik

Quelle

Stand März 2009 - eine ‘911-Research’-Initiative, die wahrscheinlich auch noch ernstgenommen werden will.

Es ist nahezu hoffnungslos.

 

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